70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

10. Dezember: 70 Jahre UNO-Menschenrechtserklärung
„We stand with  you“ – ein Abend für demokratische Rechte und Freiheiten im  Georg Büchner Buchladen.

Am 10. Dezember, dem 70. Jahrestag der Veröffentlichung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der UNO, fand der „Abend für die Meinungsfreiheit“ im Georg Büchner Buchladen statt. Bereits Anfang des Monats startete der Georg Büchner Buchladen die Postkarten-Kampagne des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels „We stand with you“.  Mit einer Schaufenster-Aktion und Auslagen im Laden wurden die Kunden auf diese Kampagne für die zwei inhaftierten Verleger Yao Wentian (China) und Osman Kavala (Türkei) aufmerksam gemacht. Innerhalb einer Woche haben annähernd hundert Kunden der Buchhandlung die Postkarten zum Versenden mitgenommen oder direkt in der Buchhandlung ausgefüllt.  Die Postkarten gehen direkt in die Gefängnisse der zwei Inhaftierten, Shanghai und Istanbul. Die Aktion läuft noch bis Weihnachten. 
Auch Georg Büchner war ein Flüchtling…
Am Abend des 10. Dezember wurden dann in der Buchhandlung Texte vorgelesen, die einen Bezug zu einzelnen Artikeln der UNO-Menschenrechtserklärung haben. 1836 hatte Georg Büchner vor, nach Zürich, ins Schweizer Exil zu gehen. Aus diesem Anlass schrieb er an seine Familie, wie wichtig das Asylrecht in der Schweiz sei und eine Aufgabe dieses Rechts die Schweiz auf die Seite der despotischen Staaten stellen würde. Aufgrund seiner politischen und literarischen Aktivitäten und erst recht nach der Veröffentlichung des „Hessischen Landboten“ fürchtete Georg Büchner nicht nur um seine Person, sondern er machte sich Sorgen um seine Freunde in Darmstadt und Gießen, die zum Teil im Gefängnis saßen und dort schlecht behandelt wurden. Artikel 14, Absatz 1 der UNO-Menschenrechtserklärung: „Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.“ Auszüge aus den Briefen las Detlef Bahr vom Georg Büchner Buchladen vor.
Zu den Gästen gehörte auch die Autorin Tanja Dückers, die mit anderen deutschen AutorInnen seit Jahren in dem Projekt „Weiter schreiben“ geflüchteten Autorinnen und Autoren aus Kriegs- und Krisengebieten in Deutschland zum Schreiben und Veröffentlichen ihrer Literatur verhilft. Sie betreut den aus dem kriegszerstörten Jemen geflüchteten Schriftsteller Galal Alahmadi und las einige seiner von ihr ins Deutsche übertragenen Gedichte. Sie sind bei Ullstein dieses Jahr in der Anthologie „Das Herz verlässt keinen Ort, an dem es hängt: Weiter Schreiben – Literarische Begegnungen mit Autorinnen und Autoren aus Krisengebieten“ erschienen. Tanja Dückers begleitet Galal Alahmadi auf Lesungen und Veranstaltungen. So geben sie und andere deutschsprachige AutorInnen denen ihre Stimme zurück, denen das Recht auf das freie Wort in ihrer Heimat durch Krieg und Unterdrückung verwehrt wurde. 
Sabeth Vilmar thematisierte noch einmal die Frage der demokratischen Rechte und Freiheiten, indem sie aus dem Buch „Tut was!“  des türkischen Journalisten und Flüchtlings Can Dündar zitierte. Can Dündar fragt darin, wie man sich verhalten soll, wenn ein durch demokratische Wahlen an die Macht gekommener Präsident diese Macht dazu missbraucht, um demokratische Rechte und Freiheiten abzuschaffen. Dündars Plädoyer kann man nur als Aufforderung verstehen, sich so aktiv wie möglich für diese Rechte einzusetzen;  die Teilnehmer*innen nahmen diese Aufforderung an und nahmen die Postkarten an Yao Wentian und Osman Kavala mit oder schrieben sofort einen kurzen Text mit ihrer Unterschrift auf die Karten.
Am Schluß des Abends las Janis Humann, Azubi im Georg Büchner Buchladen, aus dem Roman Exit West von Moshin Hamid; letztes Jahr stand sein Buch auf der Shortliste des Man Booker Prize. Mitten im Krieg in einem muslimisch geprägten Land kämpfen sich die jungen Nadia und Saeed durchs Leben – eine poetisch geschriebene Geschichte über die Fragen des politischen und persönlichen Zusammenhalts und des Überlebens in Zeiten von Krieg und Flucht – passender hätte diese Veranstaltung nicht enden können.
Literatur:
Galal Alahamady: Weg sein – hier sein. Texte aus Deutschland. Nachdichtungen von Tanja Dückers. Secession, 24,00€
Georg Büchner: Werke und Briefe. Münchner Ausgabe. Dtv, 15,90€
Can Dündar: Tut was!  Hoffmann & Campe, 3,99€
Moshin Hamid: Exit West. Dumont, 12,00€
Annika Reich, Lina Muzur u.a.:  Das Herz verlässt keinen Ort, an dem es hängt. Weiter Schreiben - Literarische Begegnungen mit Autorinnen und Autoren aus Krisengebieten. Ullstein, 24,00€