Booker Prize: Longlist 2019.

 

Die Longlist des diesjährigen Booker Prize ist veröffentlicht!

Der Booker Prize ist der wohl wichtigste englischsprachige Literaturpreis – nicht nur wegen des recht hohen Preisgeldes von 50.000 Pfund Sterling, sondern wegen der großen Aufmerksamkeit, die der Preis den Gewinner_innen verschafft und des konstant hohen Niveaus der ausgewählten Literatur. Natürlich ist die Frage berechtigt, inwiefern Buchmarkt und Buchkultur in einem Preis wie diesem zusammenfallen. Erst im Januar dieses Jahres kündigte die Man Group ihren Rücktritt als Hauptsponsor des Preises an, ein Investment und Hedgefonds-Unternehmen, das für 17 Jahre nun auch im Namen als Geldgeber zu erkennen war. Und es sind eben doch meist die großen Verlagshäuser, deren Titel in der Auswahl Berücksichtigung finden. Julian Barnes kommentiere vor vielen Jahren: the only sensible attitude to the Booker is to treat it as posh bingo.

Und doch wird die Jury jedes Jahr in einem aufwendigen Prozess festgelegt und orientiert sich laut der zweimaligen Jurorin Erica Wagner an keinen anderen Kriterien als den Literarischen. Und so finden sich auf den Long- und Shortlists sowie unter den Preisträger_innen viele Romane, die durchaus eine Entdeckung verdient haben!

Letztes Jahr war es die junge irische Autorin Anna Burns, die den Preis für ihren Roman Milkman gewann. Eine bedrückende Geschichte über die Kraft von Gerüchten und geflüsterten Kommentaren in einer irischen Kleinstadt. Am Dienstag nun wurde die diesjährige Longlist veröffentlicht. Neben vorherigen Gewinner_innen wie Salman Rushdie oder Margaret Atwood (deren Fortsetzung zu The Handmaid‘s Tale ohnehin mit großer Spannung erwartet wird), sind auch einige nicht ganz so bekannte Namen auf der Liste zu finden:

Chigozie Obioma zum Beispiel, der seinen Debütroman Der dunkle Fluss 2015 im Georg Büchner Buchladen präsentierte, ist nun mit seinem zweiten Buch nominiert. An Orchestra of Minorities (Auf Deutsch Das Weinen der Vögel, Piper Verlag) ist eine Liebesgeschichte im heutigen Nigeria, später auch auf Zypern, die aktuelle und traditionelle Erzählperspektiven miteinander verbindet.

Oder Max Porter, dessen Roman Lanny schon im März auf Deutsch erschienen ist, und der auf wunderbare Art und Weise sein durchaus ernstes Thema mit einer spannenden und ungewöhnlichen grafischen Gestaltung des Textes auflockert und verändert. Es geht um das Verschwinden eines Jungen, um Mythos und Realität und um die Stimmen der Natur.

Die Shortlist mit 6 Titeln wird am 3. September veröffentlicht, das prämierte Buch am 14. Oktober bekannt gegeben. Wir sind gespannt!

 

  • Margaret Atwood: „The Testaments“ (Vintage, Chatto & Windus), erscheint auf deutsch am 10.9. bei Piper unter dem Titel „Die Zeuginnen“
  • Kevin Barry: „Night Boat to Tangier“ (Canongate Books) – Barrys Roman „Dunkle Stadt Bohane“ (ET: 2/2015) ist bei Klett-Cotta erschienen
  • Oyinkan Braithwaite: „My Sister, The Serial Killer“ (Atlantic Books)
  • Lucy Ellmann: „Ducks, Newburyport“ (Galley Beggar Press) – Ellmann hat deutsche Ausgaben von diversen Titeln bei Goldmann, Piper und Berlin Verlag veröffentlicht
  • Bernardine Evaristo: „Girl, Woman, Other“ (Hamish Hamilton)
  • John Lanchester: „The Wall“ (Faber & Faber), „Die Mauer“ (Klett-Cotta, ET: 15.1)
  • Deborah Levy: „The Man Who Saw Everything“ (Hamish Hamilton) – Levys deutsche Ausgaben ihrer Romane sind bei KiWi, Hoffmann und Campe und Wagenbach erschienen.
  • Valeria Luiselli: „Lost Children Archive“ (4th Estate), „Archiv der verlorenen“ (Kunstmann, ET: 11.9)
  • Chigozie Obioma: „An Orchestra of Minorities“ (Little Brown), „Das Weinen der Vögel“ (Piper, ET: 14.10)
  • Max Porter: „Lanny“ (Faber & Faber), „Lanny“ (Kein & Aber, ET: 11.3)
  • Salman Rushdie: „Quichotte“ (Jonathan Cape), „Quichotte“ (Bertelsmann, ET: 14.10)
  • Elif Shafak: „10 Minutes 38 Seconds in This Strange World“ (Viking), „Unerhörte Stimmen“ (Kein & Aber, ET: 13.5)
  • Jeanette Winterson: „Frankissstein“ (Jonathan Cape), „Frankisstein“ (Kein & Aber, ET: 8.10)