Clara Rostek: Ein reicher Geburtstag (11 Jahre)

Ein reicher Geburtstag

,,Hallo, ich heiße Anne-Marie und ich bin 11 Jahre alt.

Ich möchte euch davon berichten, was sich rund um meinen letzten Geburtstag zugetragen hat. Ich kann mich daran so gut erinnern, als wäre es gestern passiert, weil...

Aber ich fange lieber von vorne an:

Es war der 29. Mai. Ich hatte im nächsten Monat Geburtstag, aber das war mir noch gar nicht so bewusst.

Beim Abendessen fragte meine Mutter aufgeregt: ,,Was möchtest du denn an deinem Geburtstag machen?“

Ich antwortete (etwas) genervt: ,,Ähm, Mama, ich habe erst in einem kompletten Monat Geburtstag.“ Daraufhin meinte sie, mittlerweile auch etwas genervt: ,,Aber ich, ähhh, wir müssen doch noch so viel vorbereiten:

  • Einladungskarten drucken
  • Einen Tisch beim Italiener reservieren
  • Im Jumphouse reservieren, und, und, und.

,,Ich möchte aber keine Party mit so vielen Extras!“ meinte ich nun doch etwas enttäuscht.

,,Aber Anne-Marie, wir haben doch viel Geld, das können wir uns leisten!“, verstand Mama mal wieder nicht. ,,Du verstehst mich nicht! Ich möchte so einen Geburtstag wie Layla. Ihre Eltern haben nicht so viel Geld wie wir und trotzdem war es der schönste Geburtstag, auf dem ich je war!“, schwärmte ich ihr vor.

,,Okayyy...? Was habt ihr da denn so gemacht?“, fragte meine Mutter nun.

Innerlich seufzte ich erleichtert auf. Jetzt hatte sie es verstanden. Dafür war ich ihr sehr dankbar.

Vielleicht würde es doch noch ein schöner Geburtstag werden.

Also berichtete ich ausführlich von Laylas Geburtstag... In der Zwischenzeit wurde unser Essen kalt. ,,So etwas ähnliches wünsche ich mir auch. Bitte Mami!“, schloss ich meinen Bericht.

,,Na, wenn du möchtest, dann gerne. Also, was sollen wir vorbereiten?!

Und einen Monat später feierte ich die beste Geburtstagsparty meines Lebens: Zuallererst schrieb und bastelte ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Einladungskarten selbst. Sogar Mama hatte ihren Spaß dabei: Die Einladungskarten hatten die Form von einem Eis am Stiel, sogar verschiedene Farben! Außerdem schrieb ich alles mit der Hand. Ich lud nur vier Mädchen ein, nämlich meine besten Freundinnen und zwar: Layla, Karlotta, Leah und Nicki. Wir machten quasi alles zusammen!

Wir trafen uns zur Party morgens um 10 Uhr bei mir zuhause. Es war ein Samstag. Als alle da waren, machten wir erst mal Bescherung. Am meisten freute ich mich über einen dicken Schmöker von meinem Lieblingsautor und ein Kristallpuzzle. Kurz danach fuhren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Wolzig. Das liegt südöstlich von Berlin. Dort hatten wir schon seit längerer Zeit eine kleine Hütte gemietet. Dort waren wir auch schon öfter gewesen, aber übernachtet hatten wir dort leider noch nicht.

Wir hatten ein großes Zelt mitgenommen in dem wir fünf dann schlafen durften. Mama und Papa wollten in der Hütte übernachten.

Als wir dort angekommen waren, wartete Papa schon auf Mama, Layla, Karlotta, Leah und mich. Er hatte den Tisch draußen hingestellt und gedeckt. Es gab Käsekuchen, Brownies und sogar ein paar Muffins. Alles selbstgebacken.

Nachdem wir aufgegessen hatten, spielten wir im Garten. Es gab: Hängematten, eine Slackline, einen Sandkasten und sogar ein kleines Trampolin. Dann veranstalteten wir eine Schnitzeljagd. Bei der mussten wir zum Beispiel in den Wald gehen und dort ein bisschen Holz sammeln. Oder wir sollten bei den Nachbarn einen Zungenbrecher zum Besten geben. Die letzte Aufgabe beinhaltete, ein rohes Ei von einem Hochsitz herunterzuwerfen. Und zwar nur mit Hilfsmitteln aus der Natur. Wir stopften alles Grünzeug, was wir finden konnten, in den Beutel, der uns zur Verfügung stand. Dabei fanden wir zwei Frösche, die Layla und Nicki sofort einfangen wollten. Als sie einen der beiden erwischt hatten, erklärten wir ihnen, dass sie ihn wieder freilassen sollten, weil er bestimmt Todesängste ausstand. Das sahen sie ein und ließen wieder frei. Der Frosch sprang hastig, aber sicherlich erleichtert, ins Gebüsch. Das Ei fiel vom Hochsitz, ohne Schaden zu nehmen. Wir hatten alle Aufgaben gemeistert und den schließlich auch den Schatz gefunden. Jetzt bekam jede ihren Anteil. Kurz gesagt, es war sehr lustig. Vor allem, weil Karlotta zwischendurch einen Lachanfall bekam und sich deshalb auf dem Boden wälzte. Dann musste Nicki auch lachen und am Ende lagen wir alle - jetzt nur noch kichernd - am Boden. Nun waren wir uns alle einig, dass wir Schwimmen gehen wollten. Also schnappten wir uns unsere Badesachen, die wir extra mitgenommen hatten und gingen an den Strand. Er war etwa fünf Minuten entfernt und wir waren bald dort angekommen. Der See war echt kalt! Als wir reingehen wollten, haben Leah und ich uns erst nicht getraut, aber dann sind wir wie alle anderen auch vom Steg hinuntergesprungen. Das war ein Spaß! Als wir genug geplantscht hatten, nahmen wir zu Hause alle eine warme Dusche. Kurz darauf gab es Abendessen: Wir grillten Würstchen und dazu gab es Folienkartoffeln und Salat. Zum Nachtisch gab es selbstgekochten Schokopudding. Leider, - das fiel uns erst jetzt ein – mussten wir noch das Zelt aufbauen. Aber das war nicht so wild, weil: 1. Papa half uns und 2. auch dabei hatten wir viel Spaß, insbesondere weil wir die Zeltstangen als Schwerter umfunktionierten und kleine Duelle miteinander ausfochten. Das Aufbauen ging sehr schnell und dann zogen wir alle unsere Nachthemden an, machten uns bettfein und krochen in unsere Schlafsäcke, die wir zuvor im Zelt platziert hatten. Dort quatschten wir, bis die Batterien unserer Taschenlampen den Geist aufgaben. Selbst dann dauerte es noch eine ganze Weile, bis alle eingeschlafen waren. Nur ich lag noch wach und dachte über den tollen Tag nach. Als Mama ein paar Minuten später leise nach uns gucken kam, schaute ich sie glücklich an und meinte:,,Siehst du Mama, man braucht nicht viel Geld, damit zum Beispiel der Geburtstag reich wird. Meiner war reich an: Glück, Freude, Spaß und Freundschaft. Das reicht mir und ist wichtiger als Geld. Vor allem kann man all das nicht mit Geld kaufen!“ ,,Recht hast du, Anne-Marie!“, meinte Mama überzeugt und strich mir über das Haar. Zufrieden dachte ich:

Ich bin sicher, dass ich diesen Geburtstag nie vergessen werde!“