Da eh alle am Meer sind: Bücher zum Abtauchen.

„Worte sind Luft. Aber die Luft wird zu Wind, und der Wind macht die Schiffe segeln.“ Das Zitat stammt von Arthur Köstler und es gibt unzählige weitere Redewendungen, die eine inhaltliche oder sprachliche Verbindung zwischen Lesen und Reisen aufbauen. Neulich war ich noch im Westen der USA, zu einer Zeit, als dort der Boden für Gold aufgesprengt wurde, kurze Zeit später radelte ich durch München in den 50ern.  Andererseits entstehen oft besonders eindrucksvolle Lektüreerlebnisse, wenn sich Leseort und Leseinhalt treffen. Und da die Sommerferien traditionell eine Zeit sind, an der die ein oder andere Person aufs Meer schaut oder gar darin badet, hier ein paar Bücher zum Abtauchen…

Bill François: Die Eloquenz der Sardine. C.H. Beck Verlag, 22.00 €
Als Physiker über Meerestiere zu schreiben ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch, denn Bill François beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Hydrodynamik von Meerestieren, schreibt Kurzgeschichten und ist seit seiner Kindheit von Meer und Fluss und Fisch und Krebs fasziniert. Sein Buch „Die Eloquenz der Sardine“ ist deswegen eine literarisch und biologisch außergewöhnliche Reise unter die Wasseroberfläche, von der Kommunikation im Sardinenscharm zum meterlangen & rückwärts- seitwärts- oder vorwärtsschwimmenden Riemenfisch.

Till Hein: Crazy Horse. Mare Verlag, 22.00 €
Der Titel verweist hier nicht auf den Anführer der Lakota, der zu oben bereits erwähnter Zeit gegen die Kolonisierung kämpfte, sondern auf die Einhörner der Meere; die eigensinnigen und queeren Idole, die vermutlich auch für den Springer im Schach das Vorbild waren - auf Seepferdchen. Der Wissenschaftsjournalist Till Hein erzählt sachlich und humorvoll und geht dabei ebenso sehr auf kulturgeschichtliche wie auf bio- und ökologische Aspekte der Rösser der Meere ein.

…und wieder Auftauchen.

Bonnett, Alastair: Das Zeitalter der Inseln. C.H. Beck, 23.00 € und
Gavin Francis: Inseln: Die Kartierung einer Sehnsucht. Dumont Verlag, 28.00 €

Zurück an der Oberfläche nehmen uns zwei aktuelle Neuerscheinungen mit auf Inselreise. Alastair Bonnett, der Sozialgeograph, der schon wunderbar die merkwürdigsten Orte der Welt beschrieb, erzählt im Zeitalter der Inseln von neu entstehenden und bald versunkenen Inseln, von einem Boom des Inselbauens und von den daran hängenden Hoffnungen und Träumen. Um Letztere geht es auch bei der Kartierung der Inselsehnsucht von Gavin Francis: eine kurzweilige und schön gestaltete Mischung aus Essay, Reisebericht und Hommage. Das eigenwillige und faszinierende an Inseln und Archipelen – es steckt auch in diesen beiden Büchern!