Der besondere Roman über Niedergang und Hoffnung auf Neubeginn.

Kathrin Gerlof: Nenn mich November (Aufbau Verlag)

Erscheinungstermin ist am 14.9., die Buchpremiere findet am 24.9. im Palais der Kulturbrauerei statt.

Dies ist kein Sachbuch, dies ist kein Polit-Thriller und dennoch hat Kathrin Gerlof mit diesem Roman eines der treffendsten politischen und sozialen Porträts der abgehängten und prekarisierten Menschen in den Regionen rund um Berlin geschrieben! Ein Dorf, irgendwo in Meck-Pom oder Brandenburg, wo genau, spielt keine Rolle, und die Autorin verzichtet ganz bewusst auf einen Namen: Schätzungsweise 70 Bewohner hat das Dorf, die meisten von ihnen sind im Rentenalter oder arbeiten auf den Maisfeldern des Großbauern Schulz. Eines Tages zieht ein Ehepaar in ein leerstehendes Haus: Marthe Lindenblatt und ihr Mann David aus Berlin. Weit weg von der Stadt, versuchen sie nach einer Firmenpleite (eines der vielgepriesenen Start-Up-Projekte, aber verschwiegenen Insolvenzen) einen Neuanfang und merken allmählich, dass dieses sterbende Dorf mit seinen merkwürdigen Bewohnern ihre Ehe und Zweisamkeit bedroht. Und dann lässt Großbauer Schulz die früheren Zwangsarbeiter-Baracken umbauen, um 200 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Afrika aufzunehmen. Sein einziger Konkurrent, Biogasanlagenbetreiber Krüger, wittert die Chance, Schulz eins auszuwischen und gründet eine Bürgerwehr - jetzt kommt Leben ins Dorf!

„Nenn mich November“: Marthe will so genannt werden. Vielleicht will die Autorin daran erinnern, welche Hoffnungen und Erwartungen die Menschen nach der 1989er Revolution hatten, denn Marthe hofft weiter auf einen Neuanfang. Die politischen und sozialen Verwerfungen, die Kathrin Gerlof beschreibt, finden ihre Ursachen auch in der Zeit der großen Umbrüche nach der Revolution von 1989.