Der ewige Faschismus

Die Ministerpräsident_innenwahl in Thüringen am 5. Februar 2020 war ein Schock. Eine Überraschung war sie weniger, zumindest nicht nach dem zweiten Wahlgang, in dem weder Bodo Ramelow, noch der Scheinkandidat der AfD eine Mehrheit erzielen konnten. Und auch nicht in Anbetracht des vorangegangenen Verbots der Bundes-CDU in Erfurt eine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit der Linken einzugehen. Aber dennoch: die vehementen Reaktionen aus Presse, Politik und Zivilgesellschaft verurteilten den „Dammbruch“ aufs Schärfste, die FDP konnte den Ministerpräsident von Höckes Gnaden nicht halten, der Rücktritt Kemmerichs ist nun vollzogen.

Diese machtpolitischen Taktierereien haben – so viel steht fest – einen großen Schaden bereits angerichtet, die Gefahr einer parlamentarischen Zusammenarbeit mit der AfD steht wie ein Elefant im Raum. Wenn es darum geht zu verstehen, womit wir es zu tun haben, welche Strategien und Ideologien derzeit wieder so unheimlich präsent sind, dann könnten drei kleine, aber gehaltvolle Bücher ihren Teil leisten. Die Texte sind teils nicht von heute, der Faschismus, um den es geht, ist es aber auch nicht.

Im Hanser Verlag ist soeben „Der ewige Faschismus“ von Umberto Eco erschienen. Im Kern handelt es sich dabei um einen Vortrag, den Eco 1995 – zum 50. Jahrestag der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus – in New Yorck hielt. 25 Jahre später könnte der Titel kaum treffender wirken. Roberto Saviano formuliert es in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe so: „Kurzum, diesen Seiten gelingt es, eine entscheidende Erkenntnis aufs Knappste zusammenzufassen, nämlich was für ein riesiger Fehler es ist, den Faschismus als ein ausschließlich historisches Phänomen zu begreifen.“

Über das im Herbst letzten Jahres im Suhrkamp Verlag erschienene Büchlein von Theodor W. Adorno „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“ wurde schon viel geschrieben und berichtet. Mit der Gründung und dem Erstarken der NPD zum Anlass, war dieser Text aus dem Jahr 1967 zunächst ebenfalls als Vorlesung konzipiert. Ein Aspekt, der hier vertieft wird, ist beispielsweise die Strategie der Rechten, die Grenzen des Sagbaren und Machbaren gezielt zu verschieben. Erfurt ist hierfür ein Musterbeispiel.

Michela Murgia wählt einen etwas anderen Ansatz. Mit „Faschist werden. Eine Anleitung“ aus dem Wagenbach Verlag hat die italienische Autorin eine provakante Schrift vorgelegt, die die Vorteile des Faschismus preist und am Ende einen Selbsttest über den eigenen Lernerfolg mitliefert. Der Text könnte als Realsatire gelesen werden, dass das Thema aber keines ist, mit dem man Späße treibt, das verdeutlicht die Autorin auf fast jeder Seite. Durch die Positivformulierung dessen, was den Faschismus und den faschistischen Charakter ausmacht, bleibt am Ende eine erhellende und durchaus erschreckende Analyse der Gefahr, die von jenen Ideologien ausgeht.