Deutscher Buchpreis 2019 - die Longlist.

Die Jury des Deutschen Buchpreises 2019 hat 20 Romane für die Longlist ausgewählt. Seit Ausschreibungsbeginn haben die sieben Jurymitglieder 203 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2018 und dem 17. September 2019 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind oder noch erscheinen. 

Jurysprecher Jörg Magenau (freier Literaturkritiker): „Der Auswahlprozess war für die Jury ein bereichernder und anregender Austausch über zeitgenössische deutschsprachige Literatur. Die Longlist, die aus diesem gemeinsamen Leseabenteuer hervorgegangen ist, spiegelt die stoffliche Vielfalt und den stilistischen Reichtum der literarischen Neuerscheinungen dieses Jahres wider. Gesellschaftsanalyse und Geschichtsforschung, Paranoia und Phantasie, Wunsch und Welterkundung von Kalifornien über die deutsche Provinz bis in den Kaukasus haben darin Platz. Besonders erfreulich, dass es so viele gelungene Debüts zu entdecken gab, Entdeckungen, die wir gerne weiterreichen. Um die Zukunft des Lesens und des Schreibens muss uns da nicht bange sein.“

Der Kommentar von Andreas Platthaus/FAZ:

Dafür sind unter den anderen zwölf viele Bekannte: Nora Bossong, Marlene Streeruwitz, Norbert Scheuer, Alexander Osang, Saša Stanišić oder Eva Schmidt, um nur die Vertrautesten zu nennen. In den kommenden vier Wochen wird die Jury aus den Nominierungen sechs Titel herausfiltern, die dann die Shortlist bilden, aus der das diesjährige Siegerbuch gewählt wird. Es wird am Abend des 14. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers zum Auftakt der Buchmessewoche verkündet. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert, für die fünf weiteren Finalisten bleiben noch jeweils 2500 Euro, die Aufnahme in die Longlist bringt nicht mehr ein als Aufmerksamkeit.

Die gilt aber ohnehin als die eigentliche Prämie beim Deutschen Buchpreis, wenn auch von den großen Verlagen immer mehr beklagt wird, dass erst mit der Reduzierung auf die sechs Shortlist-Bücher die Neugier des Publikums tatsächlich geweckt wird. Für kleinere Häuser ist aber schon die erste Nominierung Gold wert, doch aus dieser Gruppe stammen diesmal nur fünf Bücher. Die jeweiligen Siegertitel eines Jahres sind regelmäßig Bestseller geworden, wobei die vorjährige Gewinnerin Inger-Maria Mahlke mit ihrem Roman „Archipel“ beim Verkauf etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, nachdem vor allem Robert Menasses „Hauptstadt“ 2017 ein Renner gewesen war.

Elf Frauen, neun Männer

Der Buchhandel wünscht sich solche Impulse im beginnenden Weihnachtsgeschäft; er ist wichtig für die Branche. Eine entsprechende Auszeichnung für Sachbücher, die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels nach einem etwas weniger komplexen Auswahlschema verliehen werden soll, wird im kommenden Juni erstmals vergeben werden. Ob man damit dieselbe Aufmerksamkeit finden wird wie die Romane, darf bezweifelt werden, weil die Vergleichbarkeit bei Sachbüchern noch schwieriger ist. Der Börsenverein stellte bei der Vorstellung des neuen Preises die „politische Relevanz“ als Auswahlkriterium in den Mittelpunkt.

In den kommenden Wochen des bestimmende Thema

Die siebenköpfige Jury unter Vorsitz des Berliner Literaturkritikers Jörg Magenau weist einen ungewöhnlich starken Frankfurt-Anteil auf (die Jurymitglieder Hauke Hückstädt, Björn Lauer, Alf Mentzer sind hier ansässig), aber davon hat nur der ortsansässige Fischer-Verlag profitiert, während die bislang recht regelmäßig vertretenen unabhängigen Verlage Frankfurter Verlagsanstalt und Schöffling nicht berücksichtigt wurden. Andere unabhängige Dauergäste wie Jung und Jung oder Matthes & Seitz sind auch diesmal wieder dabei.

Klare Favoriten sucht man bislang vergeblich, manche vorab hochgehandelten Titel wie etwa „Der vergessliche Riese“ von David Wagner, Judith Schalanskys „Verzeichnis einiger Verluste“ (der allerdings kein Roman ist) oder Matthias Brandts „Blackbird“ fielen durch das Raster – von Kiepenheuer & Witsch, Brandts Verlag, ist diesmal sogar überhaupt kein Buch vertreten. Die frühere Buchpreisgewinnerin Terézia Mora kam mit ihrem aktuellen Roman „Auf dem Seil“ auch nicht auf die Longlist; diese seltsame Scheu gegenüber früheren Gewinnern hat Tradition.

„Metropol“, der neue Roman des Preisträgers von 2011, Eugen Ruge, erscheint erst Anfang Oktober und fällt damit nicht mehr in die für eine Nominierung vorgeschriebene Publikationszeitspanne bis zum 17. September. Ob wieder einmal ein Romandebütant gewinnen wird – zuletzt gelang das 2014 Lutz Seiler –, dürfte in den nächsten vier Wochen, bis die Shortlist herauskommt, das bestimmende Thema sein. Und hoffentlich dann auch noch darüber hinaus.

 

Bossong

Nora

Schutzzone

Suhrkamp

Bremer

Jan Peter

Der junge Doktorand

Berlin Verlag

Edelbauer

Raphaela

Das flüssige Land

Klett-Cotta

Grill

Andrea

Cherubino

Paul Zsolnay

Köhler

Karen

Miroloi

Carl Hanser

Kühmel

Miku Sophie

Kintsugi

S. Fischer

Lehner

Angela

Vater unser

Hanser Berlin

Maeß

Emanuel

Gelenke des Lichts

Wallstein

Osang

Alexander

Die Leben der Elena Silber

S. Fischer

Poladjan

Katerina

Hier sind Löwen

S. Fischer

Randl

Lola

Der Große Garten

Matthes & Seitz Berlin

Schachinger

Tonio

Nicht wie ihr

Kremayr & Scheriau

Scheuer

Norbert

Winterbienen

C.H.Beck

Schmidt

Eva

Die untalentierte Lügnerin

Jung und Jung

Stanišić

Saša

Herkunft

Luchterhand

Streeruwitz

Marlene

Flammenwand.

S. Fischer

Thomae

Jackie

Brüder

Hanser Berlin

Woelk

Ulrich

Der Sommer meiner Mutter

C.H.Beck

Zähringer

Norbert

Wo wir waren

Rowohlt

Zürcher

Tom

Mobbing Dick

Salis