Elyenna Faber: Wolfsmädchen (11 Jahre)

Wolfsmädchen

Als Luna die Zeitung weg legte sagte sie: “Wusstest du, Mama, dass ein Mädchen namens Katie sich die Wolfsmagie gekauft hat?” “Ach, Luna,” meinte ihre Mutter, “du musst mir nicht immer sagen, dass sich schon wieder jemand in einen Wolf verwandeln kann. Das ist hier halt üblich.” “Das ist doch erst das dritte Mal,” entgegnete Luna. “Komm, lass uns nicht streiten,” meinte Lunas Mutter. “Wir müssen uns noch was zu essen aus dem Garten der Nachbarn besorgen. In der Eichhörnchenform müssen wir ja auch nicht so viel essen, weil unser Bauch dann kleiner ist” “Ja ja, in der Eichhörnchenform essen.” Nach dem Essen nahm Luna die Zeitung noch mal zur Hand und las gelangweilt die anderen Artikel durch, bis sie auf die Überschrift Sängerin gesucht stieß. “Schau mal,” rief sie aufgeregt und zeigte ihrer Mutter die Zeitung. “Dort steht Sängerin gesucht, und ich bin eine Sängerin!” “Das ist ja klasse,” meinte Lunas Mutter in einer erfreuten Stimme. “Dann kannst du dich ja bewerben, wenn du möchtest.” “Oh, ja,” rief Luna, hüpfte aus ihrem Stuhl und verwandelte sich in ihr Eichhörnchen. Sie rief noch ein schnelles “Tschüss Mama” im Vorbeigehen und hüpfte in die Nacht hinein. Lunas Mutter murmelte nur: “Kaum sage ich, dass sie sich bewerben darf und schon springt sie auf...” Beim Musikstudio angekommen, verwandelte Luna sich vom Weg erschöpft in ihre Mädchenform zurück. Sie ging in das Studio hinein und stellte sich in die Schlange zur Anmeldung für die Bewerbung. Als Luna an der Reihe war, war sie total aufgeregt, machte aber ihren Termin. Sie musste nun warten und schaute zu, wie die anderen Leute ihre Termine machten, bis ihre Aufmerksamkeit an einem Mädchen ihres Alters hängen blieb. Dieses war wunderschön und hatte rote Haare, die funkelnd auf ihrem Kopf waren. Als das Mädchen an der Reihe war, sagte ein Mann hinter ihr: “Du bist doch das Mädchen aus der Zeitung, das sich die Wolfsmagie angeschafft hat.” Als Luna das hörte, starrte sie sie verblüfft an. “Luna bitte,” ertönte die Frauenstimme aus dem Lautsprecher. Luna ging in das Sprechzimmer, wo eine kleine, geschminkte Frau saß, die ihr einladend die Hand hinhielt. “Setz dich doch hin, Luna.” “Ich hoffe es ist ok, dass ich dich duze?” “Ja, das mag ich sogar sehr, ich mag es nicht, wenn man die ganze Zeit Sie sagen muss.” Die Frau nickte zustimmend. “Also, beginnen wir. Sing mir doch mal dein Lieblingslied vor!” Luna sang prächtig und schön. Als sie fertig war, war ein Lächeln auf ihrem Gesicht zu finden. “Das war sehr gut” lobte die Frau und sagte: “Du kommst in die engere Auswahl. Wir melden uns dann bei dir. Bis bald.” Draußen war die Stimme der Aufrufenden wieder zu hören: “Katie, bitte.” Das Mädchen mit den roten Haaren kam in das Zimmer und stellte sich vor: “Hallo, ich bin Katie.” Luna ging hinaus, weil sie nicht stören mochte und sprang in ihrer Eichhörnchenform den Weg zurück nach Hause, wo ihre Mutter sie schon erwartete. *** Zwei Tage später erhielt Luna eine Nachricht mit der Zusage, dass sie den Job gekriegt hat, zusammen mit dem Mädchen namens Katie. Sie sprang sofort auf und lief wieder zum Musikstudio, weil in der Nachricht stand, dass sie, sobald sie diese Nachricht sehe, zum Musikstudio kommen solle, um ihren Job anzufangen. Luna war endlich angekommen und schlüpfte in das Studio hinein. Sie sah sich um und sah das bildhübsche Mädchen mit den roten Haaren. Als Katie sie entdeckte, ging sie zu Luna herüber und sagte: “Wir haben uns ja schon getroffen, weißt du noch?” “Ja, ich bin Luna!” Sie wollten noch weiter reden, aber da kam schon die Frau, die das Vorstellungsgespräch geleitet hatte. “Wollen wir anfangen, meine Lieben?” fragte sie, wartete aber nicht auf eine Antwort, sondern ging in den Raum am Ende des Flurs, wo die Mädchen zu einem sehr großen Raum kamen. Sie gingen hinein und setzten sich auf Kissen und versuchten ein Lied zu schreiben. So ging das jetzt jeden Tag, bis sie eines Tages eine Melodie mit einem Text komponiert hatten. Dieses Lied probten sie dann viele Tage. Jeden Tag verdiente Luna 70 Edelsteine. Mit 1.000 Edelsteinen konnte man sich die Wolfsmagie kaufen. Luna zählte gerade ihr Geld und bemerkte, dass sie 1473 Edelsteine hatte. Sofort machte sie sich auf den Weg zum Palast, wo die Diener des Königs und der Königin die Wolfsmagie - Tabletten verkauften. In ihren Gedanken versunken schreckte Luna auf einmal zusammen, weil sie jemand ansprach: “Was möchten sie, junge Dame? Wolfsmagie oder Eichhörnchenmagie?” Ohne zu überlegen sagte Luna: “Wolfsmagie, bitte.” Der Verkäufer reichte ihr eine kleine Tablette mit einem Wolf darauf und sagte: “Lutschen!” und drehte ihr den Rücken zu. Luna ging überrascht nach Hause und erzählte ihrer Mutter von den Ereignissen während des Tages. Ihre Mutter war nicht sehr begeistert, aber sie zeigte es nicht, sondern lächelte den ganzen Tag hindurch. Am Abend packte Luna die Tablette aus und steckte sie in ihren Mund. In dem Moment, in dem die Tablette ihre Zunge berührte, begann sich ihr Körper zu verändern und schließlich stand Luna da auf allen Vieren und war ​ein Wolf. Auf einmal hörte sie draußen ein Heulen. Sie konnte nicht widerstehen, rannte in den Wald hinein und folgte dem Heulen. Auf einmal öffnete sich der Wald in eine Lichtung und es saßen dort sieben Wölfe zusammen. Der größte Wolf stand auf und verwandelte sich in Katie, die sagte: “Verwandele dich in deine Menschenform.” Luna versuchte, sich in sich selber zurück zu verwandeln, aber vergebens. “Das ist ok,” sagte Katie, “wir wollten nur wissen, ob du unser Feind oder Freund bist. Keine Sorge, die anderen können es auch noch nicht. Sag uns doch mal deinen Namen,” forderte sie Luna auf. “Luna - ich heiße Luna.” “Du bist doch das Mädchen aus dem Musikstudio!” erwiderte Katie. “Ja, das bin ich. Ich wollte euch nicht stören.” “Das ist ok. Jeder Wolf ist hier willkommen und gehört zum Rudel, wenn man möchte,” sagte Katie. Die anderen Wölfe nickten zustimmend. Luna fragte: “Aber wie komme ich dann wieder zurück in meine Menschenform?” “Du musst dich an Katie heran drängen und dann wird sie dich mit ihr zusammen zurück verwandeln können, aber dafür musst du dich an Katie heran drücken, damit das funktioniert, und vielleicht ist das nicht ok für dich?” sagte ein anderes Rudelmitglied. Luna und Katie wechselten einen Blick und sie wussten, dass sie beide wollten, denn sie hatten bestimmte Gefühle füreinander, aber wussten nicht, wie man es der anderen sagen sollte. Luna brachte all ihren Mut zusammen und schlug vor: “Warum probieren wir es nicht jetzt schon aus?” ”Bevor jemand antworten konnte, rief Katie schnell: “Klar, wir probieren es gleich aus,” und stellte sich neben Luna. Die beiden Wolfsmädchen kuschelten sich vorsichtig aneinander und schafften es, Luna zurück zu verwandeln. Dann lächelten sie sich schüchtern an.