Hommage an die Gründerin

Eine Hommage von Steffen Gommel, Vertreter der S. Fischer-Verlage und langjähriger Freund des Buchladens zum 30.6.2013 im Branchenmagazin "Buchmarkt":

Vor 18 Jahren lernte ich Sabeth Vilmar kennen. Damals arbeitete ich als Verlagsvertreter für den S. Fischer Verlag und wusste von Kollegen, dass sie seit 1982 eine sehr erfolgreiche Buchhandlung in Köln führte, die sie bereits während des Studiums der Ethnologie und Arabistik/Islamwissenschaft eröffnet hatte. Man beschrieb mir Sabeth als belesen und engagiert aber auch als ausgesprochen konsequent und fordernd. Mein erster Vertreterbesuch fand in ihrer Wohnung statt, die Buchhandlung am Kollwitzplatz wurde noch umgebaut.

Sofort war klar, wir mögen uns. Schon unsere erste Unterhaltung überschritt schnell die Grenzen eines üblichen Verkaufsgesprächs. Wir redeten über literarische Vorlieben, unsere Familien und immer wieder darüber, was man in Berlin zum Thema Literatur auf die Beine stellen könnte. Solche Gespräche führt man im persönlichen und beruflichen Umfeld zwar häufig, doch das Besondere an Sabeth Vilmar ist, dass auf Ideen auch Taten folgen. Das wußte ich nach unserem ersten Gespräch zwar noch nicht, hatte aber schon so eine Ahnung.

Die Eröffnung des Georg Büchner Buchladens im Oktober 1995 am Kollwitzplatz war ein großer Erfolg. Für die erste Lesung hatte Sabeth Vilmar den von uns beiden sehr verehrten Wolfgang Hilbig gewinnen können. Die Buchhandlung entwickelte sich schnell zu einem kulturellen Zentrum im Prenzlauer Berg, so dass im Jahr 2000 die Eröffnung einer zweiten Filiale folgte. Und wieder hatte Sabeth eine gute Idee: Sie spezialisierte sich und verkauft dort noch heute Bücher über Kunst, Musik und Film. Ergänzt wird das Sortiment durch eine feine Auswahl von Papeterieartikeln. 2008 wurde die Buchhandlung erheblich erweitert, um dem Kinderbuch mehr Platz einzuräumen.

Aber nur Buchhandel, das wäre für Sabeth zu wenig. Ihre Idee, verschiedene kulturelle Institutionen zusammenzuführen, gab sie nie auf. So haben wir 2001 gemeinsam den Verein „LiteraturOrt Prenzlauer Berg“ gegründet. Als Herz und Hirn dieses Projektes wurde natürlich Sabeth Vilmar zur Vorsitzenden des Vereins. Nun konnte sie ihre Vision von früher verwirklichen und alle Institutionen des literarischen Lebens an einen Tisch bringen: Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken und Schriftsteller. Schon seit 16 Jahren organisieren wir jährlich eine Literaturwoche mit zahlreichen Veranstaltungen, und als Höhepunkt ein Literaturfest auf dem Kollwitzplatz. Dabei war es Sabeth immer wichtig, sich besonders für die kleinen und unabhängigen Verlage einzusetzen. Seit 13 Jahren vergeben wir außerdem gemeinsam mit einer engagierten Jury den „Literaturpreis Prenzlauer Berg“. Viele der Preisträger haben inzwischen bei angesehenen Verlagen ihre Bücher veröffentlicht.

Die Autoren aufzuzählen, denen Sabeth Vilmar über die vielen Jahren hinweg eine Bühne gegeben hat, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Durch ihr ausgesprochen gutes Gespür für herausragende Literatur gab sie vielen Schriftstellern schon vor ihrem großen Durchbruch die Gelegenheit, mit ihren Werken an die Öffentlichkeit zu treten.

Für mich persönlich ist Sabeth mit ihrer beispiellosen Leidenschaft für das Buch immer wieder Inspiration für meine Arbeit im Verlag.

Liebe Sabeth, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, ich freue mich auf Deine nächsten Ideen und Projekte, und ich verspreche Dir, ich bin dabei!