Klara Giordono-Scholz - Alte Welt, neue Welt

Alte Welt – neue Welt Klara Giordorno-Scholz

Rauch steigt aus dem Krater aus. Lange Spiralen ziehen durch den Himmel, der inzwischen eine blass-graue Farbe angenommen hat. In Gedanken höre ich den Knall nicht mehr, ich kann mich nur noch daran erinnern wie alles plötzlich still war. Die Vögel verstummten, das Blätterrauschen wurde leiser, die Grillen hörten auf zu zirpen, bis alles still war. Totenstill. Dann folgte das lauteste Geräusch, dass ich je gehört hatte. Immer noch schaudre ich schon beim bloßen Gedanken. Ich weiß, wie viele Menschen ihr zu Hause verloren haben, die meisten Familien, die um mich stehen, wissen nicht wohin. Fatima hatte Recht gehabt. Die Erde fängt an sich zu verändern.
Mal was zu mir. Ich bin nicht eines dieser Kinder die sich mit dem Auto zur Schule fahren lassen, in einem Hochhaus in New York wohnen, ein Pferd besitzen oder gigantische Partys schmeißen. Nein, so ein Kind bin ich nicht. Ich weiß, dass es Kinder in Afrika gibt, die jeden Abend hungrig in Bett gehen, die mit fünf Jahren schon auf dem Feld arbeiten, um ihrer Familie zu helfen. So ein Kind bin ich auch nicht. Doch in den kommenden Tagen wird sich alles verändern. Mein ganzes Leben.

Als ich am nächsten Tag aufwache regnet es in strömen. Ich kuschle mich in meine Decke und lausche dem Rauschen des Regens. Ich denke an Gestern, an den riesigen Krater, der jetzt vor meiner Tür liegt. Aber warum? Wir wissen nicht alles. Ich weiß zum Beispiel nicht, warum ich dunkle Haare und Augen habe, ich hätte einfach die Haare von meinem Vater kriegen können. Ich weiß nicht warum Balu, mein Hund, kein Hühnchen mag. Warum? Wir frage zu viel. 

Die nächsten Tage werden heiß und trocken. Ich sitze im Sand und schnitze an einem Stock herum. Und wieder frage ich mich, warum?

Es soll eine Versammlung geben. Ich begebe mich mit Balu zum großen Stein, um den schon viele Menschen stehen. Auf dem Stein steht Fatima, die älteste und weiseste Frau des Dorfes. „Liebe Freunde, “ begrüßt sie uns. „Die Lage ist ernst. Wir alle wissen, dass es der Erde nicht gut geht. Menschen fangen an die Erde zu verwüsten. „ Lautes Gemurmel bricht aus, So geht die Versammlung weiter. Es werden Vorschläge gemacht, die jedoch  abgelehnt werden. Als alle wieder gehen, zieht mich Fatima zur Seite. „Komm mit“ flüstert sie mir zu.
Ich öffne die Zeltklappe und steige hinein. Es ist warm und riecht nach Kräutern. Vorsichtig setze ich mich auf den Boden. Fatima fängt an zu reden. „Die Welt verändert sich. Daran sind die Menschen schuld. Viele jedoch verneinen dies. Ich würde so gern die Welt wieder zu ihrem früheren Herstandt  bringen. Doch ich vermute es ist zu spät. Kiara, du bist unsere letzte Hoffnung. Finde für uns einen neuen Planeten…“. Sie verstummt. „ich weiß nicht, ob ich das kann,“ flüstre ich, verunsichert von dem was sie mir aufgetragen hat. „Doch Kiara, du kannst es. Für mich ist es leider zu spät…“ Ihre Augenlieder werden schwerer. „Nein, bitte, erzähl mir mehr!“ bettle ich. Ihre Augen schließen sich.

Langsam erhebe ich mich uns steige aus dem Zelt. Eine kühle Brise weht mir um das Gesicht., un ich sehe auf die Landschaft. Meine Welt, mein Zuhause. In wenigen Jahren wird auch dieses eine Verwüstete, trockene Wüste werden. Und da entscheide ich mich.

3…2…1..
Ein ohrenbetäubendes Grollen reißt mich aus meinen Gedanken. Die Rakete wird gestartet. Hier sitze ich. Unter mir meine Familie, Verwandten und Freunde, die mir Glück wünschen, mich anfeuern und mir zu jubeln. Hier sitze ich , in einer Rakete, die jetzt die Atmosphäre durchbricht. Hier schwebe ich im Weltall umher, während Planeten, Sterne und Asteroiden an mir vorbei zischen. Wirklich erstaunlich.

Ein Ruck, ein unregelmäßiges Schütteln und ein Sausen sagen mir, dass die Rakete landet. Ich mache erstaunt einen kleinen Schritt, na gut, vielleicht war es auch ein unkontrollierter Hopser, ans kleine runde Fenster. Ich sehe eine große leuchtende Kugel in der schwärze des Weltalls. Als die Rakete den Boden berührt fährt ein kleines Zittern durch meinen Körper. Die Tür wird aufgeschoben und ich mache einen Schritt auf dem leuchtenden Planeten. Ich erinnere mich wie Neil Armstrong damals gesagt hatte: „Ein kleiner Schritt für den Mensch, aber ein großer Schritt für die Menschheit.“ Genauso fühlte ich mich jetzt, als ich den neuen Planeten entdeckte. Doch es stellt sich heraus, dass auch dieser Planet leider unbewohnbar ist. Nach drei Schritten fliegt ein riesiger Schwarm von auch leuchtenden, stechenden Dingern auf mich zu. Ich rette mich gerade noch so ins Raumschiff.

ETLICHE JAHRE SPÄTER
Hier bin ich, die Zeit vergeht wie im Flug. Ich entdecke Planet nach Planet, die alle unbewohnbar sind. Ich muss durch Matsch waten, mich durch eine Wüste schleppen und aus einem Krater befreien. Ich vermisse meine Familie und die anderen Dorfbewohner, sie alle sind auch auf der Suche nach einem neuen Planet. So kommt es, dass ich eines Tages eine Nachricht auf dem Funkgerät bekomme: „Wie glauben einen Planeten gefunden zu haben! Es ist wie im Paradies!“, jubelt eine Stimme und gibt uns Fluganweisungen.

Ich sehe schon die Raumschiffe der anderen, als ich auch auf dem Planeten lande. Er erinnert mich an irgendetwas. Vielleicht die Erde? Ich steige aus und sofort spüre ich eine mir bekannte Anziehungskraft. Überall um mich herum wachsen Bäume, Büsche und Gras. Es gibt Wald und Lichtung, Flüsse und Seen und Vögel – Vögel die zwitschern, Blätter die rauschen, Grillen die zirpen. Es ist wie im Paradies.

„Komm, Balu!“, rufe ich, als mein Hund und ich durch das kniehohe Gras rennen. Freudig bellt er und schießt nach vorne. Wir wohnen jetzt hier. Wir haben genug zu essen und trinken, wir haben uns Häuser gebaut, halten Vieh und bauen Obst, Gemüse und Getreide an.

ENDWORT
Kiaras Familie und die anderen Dorfbewohner wohnen jetzt auf diesem fremden Planet. Aber ist er ihnen doch so fremd? Was sie nicht wissen: Dies ist die Erde, die sich nach langer Zeit erholt hat. Was glaubt ihr? Wird sie wieder zerstört?