"Olivia und ihre Freunde" von Myrna Lüth, 10 Jahre.

In einer großen Stadt lebte einmal ein Mädchen namens Olivia. Sie war dreizehn Jahre alt und
wohnte in einer engen Sackgasse, in der viele arme Leute und Ratten wohnten.

Hier wohnte sie allein in einem Schuppen, nein- sie war nicht ganz allein, sie hatte ihre Katze
Bella, ein Fahrrad und eine Gitarre. Diese Habseligkeiten hat sie von ihren Eltern geerbt, die sie
verlor als sie noch klein war. Sie wusste, dass ihre Großeltern noch lebten, aber wusste nicht, wo.
Sie hatte einmal gehört, dass sie wohl auf dem Land lebten, aber auch das war schon lange her.
Ihre Katze Bella war genauso braun wie Olivias zerzausten Haare. Olivia besaß an
Kleidungsstücken ein dünnes löchriges Hemd, das ihr über die Hüfte reichte, eine lange Hose,
einen dicken Pulli und Schuhe, die ihr zu groß waren. Sie war arm und verdiente nur ein wenig
Geld als Straßenmusikerin. Nachts wickelte sie sich mit Bella in die von Motten zerfranste
Decke und träumte von einem warmen Bett, denn es war Winter. Am nächsten Morgen stand
Olivia früh auf und weckte Bella. „Bella, aufstehen“. Olivia beugte sich zu Bella hinunter und
kitzelte sie am Bauch, Bella schreckte hoch und schnaubte. „Zeit fürs Frühstück!“ sagte Olivia
„Fischtick? Schon wieder ein neues Wort! Du erfindest immer neue Wörter obwohl ich noch
nicht mal richtig Halle sagen kann“ meckerte Bella. „Du meinst wohl Hallo? Außerdem heißt das
nicht Fischtick sondern Frühstück“. Bella rollte sich aus der Decke und stieß beleidigt die Tür
auf, sprang in eine Mülltonne, kam mit Fisch zurück sie ließ sich schmecken. „Ich geh dann mal
zum Brunnen und trinke was“ sagte Olivia.

Sie wusch sich und trank Wasser aus dem Eimer. „So, jetzt hol ich mein Rad und die Gitarre.“
Sie ging hinter den Schuppen und kam mit einem rostigen quietschendem Fahrrad zurück, im
Fahrradkorb hatte sie vorsichtig die Gitarre verstaut. „So, dann steigen sie mal auf Madame“.
Bella sprang mit einem Satz auf den Gepäckträger und sie fuhren los, aus der Straße hinaus in
die große weite Stadt. Sie fuhren an einem Bäcker vorbei, bogen um die Ecke und kamen an dem
Restaurant an, vor dem sie immer spielten. Sie breiteten ihr Tuch unter dem Baum aus und
fingen an. Nachdem sie ein wenig Geld verdient hatten, fuhren sie mit eiskalten Händen und
Pfoten nach Hause. Sie bestaunten die weiße Stadt. Es war lausig kalt und sie froren. Beim
Bäcker kauften sie sich ein Brötchen mit Marmelade und genossen den Abend. Am nächsten
Morgen wachte Olivia von einem Geräusch auf, es war Bella! Sie saß schon auf dem
Gepäckträger, im Fahrradkorb die Gitarre. „Kann es losgehen?“ „Nein, ich habe noch nicht mal
was getrunken!“ sagte Olivia. Sie legte den Zeigefinger an ihr Kinn, dachte nach und sagte dann:
„Sag mal Bella?, du hast gar keine Wortvertauschungen mehr !“ „Tja, ich geh halt morgens früh
mit meinem Wörterbuch raus und lerne sprechen und sowas!“, sagte Bella. „Bella, wo hast du
denn das Wörterbuch her?“ „In der Mülltonne gefunden“. Sie brausten los, durch den kalten
Morgen,. Sie legten das Tuch wieder unter den Baum, der vor dem Restaurant stand, und sangen:
„Oh du Fröhliche“ Nach dem Lied ging Bella rum, miaute und fragte ganz leise und höflich:
„Würden sie eine kleine Spende geben?“ Eine Frau gab gleich zwei Euro „Hier bitte sehr“ „Oh,
danke“ Plötzlich fing Bella an zu knurren. Olivia drehte sich mit einem Ruck um und schaute
den Baum hinauf. Ganz oben im Wipfel entdeckte sie ein kleines Eichhörnchen. Es kletterte auf
Olivias Schulter und wisperte ihr ins Ohr: „Endlich! Endlich!“ „Was endlich?“ fragte Olivia,
„Sag schon!“ „Endlich habe ich Dich gefunden. Ich kenne deine Großeltern, sie suchen nach Dir,
so lange schon.“ „Wirklich? Wie kann das sein?“ fragte Olivia. „Ich habe sie getroffen wir
wurden Freunde.“ „Wie heißt du?“ fragte Olivia das Eichhörnchen „Nut, auf Englisch Nuss, die
liebe ich nämlich“ „Nut, kannst du ein Instrument spielen?“ „Ja, sehr gut sogar“ sagte Nut. „Hast
du vielleicht Freunde, die auch Instrumente spielen können?“ „Ja sehr viele“ Olivia hatte eine
Idee... „Ich hole meine Freunde und wir treffen uns dann in eurer kleinen Sackgasse“, sagte Nut
und raste davon, Olivia und Bella sausten auch weg. Als Olivia und Bella beim Schuppen
ankamen standen vor ihnen schon ein Vogel, ein Huhn, ein Schaf und ein Esel „Liebe Freunde,
ähm, ich möchte mit euch ein Konzert geben! Und Nut, Du lädst meine Großeltern dazu ein, ja?“
Nut lächelte, dann zwitscherte der Vogel. „Ich bin Fanny“ der Esel rief„ Mein Name ist Flipper“
Das Huhn gackerte „Ich heiße Irma.“ „Und wie heißt du?“ fragte Olivia das kleine Schäfchen
„Mike“. Sie verabredeten sich ab jetzt jeden Tag und jede Nacht. Endlich war es so weit, die
Lieder und Texte waren fertig, Kostüme geschneidert, ein Termin war festgelegt,. Eine Bühne
und Stühle waren organisiert. Es gab nur noch ein Problem: die Einladungskarten Sie saßen mal
wieder zusammen und grübelten, wie sie die Karten machen könnten und plötzlich gackerte Irma
los „Ich habe es!“ Alle Augen waren auf sie gerichtet. „Fanny und ich schleichen uns in den
Copy-shop und klauen Papier, dann gehen Flipper und Nut in den Schreibwarenladen und
Flipper lenkt den Verkäufer ab. In der Zeit holt Nut Filz- und Buntstifte.” Am nächsten Morgen
wurde der Plan in die Tat umgesetzt. Sie flitzten mit Olivias Rad zum Copy-shop durch die
engen Gassen, Flipper rannte hinterher. Fanny und Irma sprangen ab und verschwanden hinter
einer Straßenecke. „Komm Irma, schnell“ Irma war mit voller Wucht gegen einen Laternenpfahl
geflattert und torkelte Fanny hinterher. Überall flogen Federn in der Luft. „Ist alles okay?“ „Ja,
ist alles ok, aber ich bin k.o.“ Dann kamen Bella und Olivia „Ich kann für Irma rennen“ sagte
Bella dann sagte Olivia „Und ich bring Irma zu den anderen“ Etwas später waren Bella und
Fanny zurück. „Alles gut gegangen?“ fragte Olivia „Ja, aber wie geht’s Irma?“ „Sie schnattert
die ganze Zeit, dass sie so schnell gerannt ist.“ sagte Flipper und rollte mit den Augen. Dann
sagte Olivia „Jetzt kümmern wir uns um die Stifte“. Flipper lenkte den Verkäufer ab, indem er
alles anknabberte. Der Verkäufer war außer sich vor Wut, und für Nut war es ein Kinderspiel die
Stifte zu besorgen. Am Abend bastelten sie die Einlandungskarten und verteilten sie in der Stadt.
„Morgen ist schon die Vorführung, oh je! Hoffentlich geht alles gut“. Am nächsten Abend
machten sie sich auf den Weg zur Bühne, die vor dem Restaurant aufgebaut war. Sie warteten
hinter dem Vorhang, dann wurde es still, die Scheinwerfer richteten sich auf den Bühne, der
Vorhang wurde ganz langsam geöffnet. Ein kleines gackerndes Huhn in einem
Superheldenkostüm, auf dem Irma stand, erschien. Alle lachten. Es waren so viele Zuschauer
gekommen, auch der Schreibwarenverkäufer und der Copy-shop Besitzer waren da, sie
schmunzelten. Irma setzte sich ans Mikrofon und verkündete: „Meine Damen und Herren!
Herzlich Willkommen, zu unserer Aufführung!“ Fanny, Bella, Flipper, Nut, Mike und Olivia
kamen auf die Bühne. Olivia an der Gitarre, Nut sprang an die Trommel, Mike nahm die Rassel,
Flipper fing an mit den Hufen zu klappern, Fanny zwitscherte und Bella fauchte. Es wurde zu
einem Lied!. Olivia blickte ins Publikum und sah zwei ältere Leute. Das mussten ihre Großeltern
sein! Sie war so aufgeregt und wurde immer nervöser. Sie wollte nur noch runter rennen, aber
nein, das sollte sie besser nicht tun. Doch es fiel ihr sehr schwer zu warten. Dann fing sie auch
noch an zu schwitzen. Endlich wurde geklatscht und das Konzert war zu Ende. Olivia nahm all
ihren Mut zusammen und ging auf die beiden älteren Menschen zu „Seid ihr meine Großeltern?“
„Ja, das sind wir...“sagte Liese, ihre Großmutter. „Wir haben Dich so lange gesucht. Wir hatten
nur ein einziges Bild von Dir. Nut hat uns so geholfen!“ „Wir haben uns gefragt, ob du bei uns
wohnen willst, natürlich mit all deinen Freunden.“Olivia blickte auf und schrie „Ja, natürlich will
ich“. Sie fielen sich in die Arme. Nach so langer Zeit, endlich wieder zusammen. Olivia stürmte
los, Heinz, ihr Großvater, lachte. Olivia sammelte ein was sie mitnehmen wollte: ihr Fahrrad,
Bella, alle Tiere, die Gitarre und ein altes Bild von ihren Eltern. Alles wurde im Auto der
Großeltern verstaut, das Rad auf dem Dach festgezurrt und alle angeschnallt es ging los. „Wann
sind wir da?“ „Gleich!“ Das Auto hielt vor einem riesigen Haus an. Es war mit Efeu umrankt und
hatte große Fenster, man konnte große kuschelige Zimmer mit Kaminen sehen. Olivia sprang aus
dem Auto „Es ist ja so schön hier“ Nach zwei Wochen hatte sie sich an das neue Leben gewöhnt.
Die Tiere zogen in die Scheune, wo sie abends zusammen feierten. Olivia hatte ein
wunderschönes Zimmer unterm Dach mit einem warmen Bett, dort war auch eine hübsche Puppe
und ein Schreibtisch, sie ging auch zum ersten mal in die Schule. Olivia kam sich vor wie im
Himmel.
Sie war so glücklich wie lange nicht mehr...