8. März. Der internationale Frauen*kampftag.

Der 8. März ist ein besonderer Tag für alle Menschen. Viele Personen und Gruppen nutzen ihn um auf Situationen aufmerksam zu machen, die leider viel zu oft und von viel zu vielen als Normalität anerkannt oder schlichtweg übersehen werden. Selbst für von Missständen betroffene Personen ist es nicht immer einfach zu erkennen, wo Schieflagen herrschen und warum unterschiedliche Menschen auf unterschiedliche Grenzen stoßen. Doch wir müssen sehen können, wo Verhaltens- und Ausdrucksweisen, Gesetze und institutionalisierte Strukturen Ungleichheiten schaffen, um diese überwinden zu können. Kategorien, in die wir Personen meist unbewusst einsortieren, wie Geschlecht, Rassifizierungen, Klasse und Religionszugehörigkeiten, bilden die Grundlagen auf denen Menschen unterschiedliche Lebensrealitäten erfahren. Diese Kategorien haben sich in unserer Gesellschaft so verfestigt, dass sie uns als schon immer da gewesen, als 'natürlich' erscheinen. Somit verwenden wir sie unterbewusst und unreflektiert, ob in wissenschaftlichen Arbeiten, in Geschichten die wir lesen oder schreiben oder in ganz alltäglichen Situationen.

Die Kategorie Geschlecht, an die bestimmt viele bei der Erwähnung des Frauen*kampftages als erstes denken, kommt mit sehr vielen Zuschreibungen daher. Ob die Ärztin/der Arzt bei unserer Geburt nun also ausruft: „Es ist ein Mädchen!“, „Es ist ein Junge!“ oder „Es ist divers!“ wird unser gesamtes Leben bestimmen. Das uns zugeschriebene Geschlecht und die unablässigen, unaufhörlichen Handlungen die anhand der allgemein anerkannten Verhaltensweisen performt werden müssen, können sehr einschränkend bis hin zu extrem schmerzhaft sein. Doch die Normen und Strukturen in denen wir leben bestehen eben aus diesen, von uns vollzogenen Handlungen und sind kein unverrückbares, 'naturgegebenes' Gerüst in das wir uns einfügen müssen. Jede*r von uns kann sich einbringen, im Kampf um die Sichtbarmachung dieser Strukturen, für sich selbst und für andere.

Die Organisierenden des feministischen und Frauen*kampftag in Freiburg formulieren: „Oft fühlen wir uns ohnmächtig und den Verhältnissen ausgeliefert. Aber aus Erfahrung können wir sagen – fünf Finger werden eine Faust! Nur gemeinsam und organisiert können wir stark und entschlossen gegen die Verhältnisse vorgehen. So unterschiedlich wie wir sind, sind wir alle von diesem System betroffen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns nicht spalten lassen und zusammenhalten! Deshalb lasst uns uns organisieren, lasst uns gefährlich sein! Jeder Tag ist Frauen*kampftag!“

Es gibt unzählige Möglichkeiten sich mit diesen Themen weiter zu beschäftigen, einige Bücher hierzu haben wir in unseren Fenstern ausgestellt: „Big Ideas. Das Feminismus Buch“ von Georgie Caroll, Beverly Duguid und Kathryn Gehred (Hrs.) (Dorling Kindersley Verlag) gibt einen Überblick über die unendlich vielen verschiedenen Feminismen. Es zeigt auf, welche selbst gesetzten Ziele Feminist*innen erreicht haben, aber auch welche Probleme und Asymmetrien innerhalb der feministischen Bewegungen existieren. Eine Botschaft ist ganz deutlich: Es gibt nicht die eine richtige Art und Weise Feminismus zu leben!

Julia Korbik hat mit „Stand up. Feminismus für alle“ (Kein und Aber) ein Buch geschrieben, das die strukturelle Ungleichheit der Geschlechter aufzeigt. Außerdem führte sie Interviews mit einflussreichen Menschen wie Taylor Swift, Chimamanda Ngozi Adichie und Margarete Stokowski und gibt damit denen eine Plattform, deren Stimmen wir unbedingt brauchen. Wie der Titel schon sagt ist dieses Buch für alle gedacht, ob mit oder ohne Vorwissen hier kann jede*r was lernen! „Alte weisse Männer. Ein Schlichtungsversuch“ (Verlag Kiepenheuer und Witsch) von Sophie Passmann greift eine Fremdzuschreibung derer auf, die sonst gruppiert, entindividualisiert und von der Norm abweichend konstruiert werden (Frauen*). Passmann ist jedoch so freundlich den 'alten weißen Männern' trotzdem eine Stimme zu geben. Sie trifft sich mit einigen, die sie dieser Kategorie zuordnet um über Feminismus zu sprechen. Wie immer klug und witzig zeigt sie, abgesehen davon, dass die meisten Aussagen ihrer Gesprächspartner unglaublich privilegiert und unreflektiert daherkommen, das mensch gar nicht gut wegkommen kann, wenn die eigenen Aussagen von jemandem mit abweichender Meinung interpretiert werden.

Jens van Tricht zeigt in „Warum Feminismus gut für Männer ist“ (Ch. Links Verlag) auf, was die Rolle 'Mann' für Auswirkungen hat und dass diese, unabhängig von den existierenden Privilegien, auch sehr negativ ausfallen können. Ein Buch, dass die dichotome Teilung der Geschlechter nicht an sich in Frage stellt, sondern die Zuschreibungen die damit einhergehen. Laurie Penny hat mit „Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“ (Edition Nautilus) ein Buch geschrieben, dass zum Kampf aufruft. Zum Kampf gegen Patriarchate, gegen Sprache, die Machtungleichheiten und -missbrauch vertuscht und die Unterdrückung von Gefühlen, die die Repressionen gegen bestimmte Gruppierungen einreißen könnten.

Hört denen zu, die Asymmetrien sehen, weil sie von ihnen betroffen sind. Jede*r kann Solidarität zeigen. Feminismus heißt: Sein können für alle. http://www.frauenkampftag.eu/

Auch für jüngere Leser*innen gibt es in dieser Richtung viel zu entdecken. Egal ob es darum gehen soll, Normen aufzubrechen, mit denen schon die Allerkleinsten konfrontiert werden oder ob wir uns mehr Repräsentation von weiblich gelesenen Menschen wünschen, es ist für jede*n was dabei!

Mit „Little People, Big Dreams“ hat der Insel Verlag eine Reihe herausgebracht, die sich mit einflussreichen Persönlichkeiten beschäftigt. Bis jetzt kann man sich über Muhammad Ali, Maya Angelou, Hannah Arendt, Jane Austen, David Bowie, Coco Chanel, Agatha Christie, Marie Curie, Amelia Earhart, Ella Fitzgerald, Anne Frank, Jane Goodall, Stephen Hawking, Frida Kahlo, Maria Montessori, Rudolf Nurejew, Rosa Parks und Vivienne Westwood informieren. Die Bücher sind  sehr schön illustriert und für Kinder ab fünf Jahren gedacht, können jedoch für jede*n informativ sein.

Maya Angelou wuchs in den USA des 19. Jahrhunderts auf. Sie hatte ihr ganzes Leben lang mit  strukturellem Rassismus zu kämpfen. Maya Angelou gab jedoch nie auf und setzte sich immer für die Rechte aller Menschen ein. Hannah Arendt, deren unzählige Bücher ungebrochen gelesen und rezipiert werden, wächst als wissbegieriges Kind auf, das schon immer den Antisemitismus in Europa zu spüren bekommt. Sie schafft es dem Nazi Regime Deutschlands zu entfliehen und legt eine unglaubliche Kariere hin. Der Untertitel des Buches „Wie siehst du denn aus? Warum es normal nicht gibt“ (BELTZ Verlag, ab 10 Jahren) zeigt eine der wichtigsten Aussagen des Feminismus auf. Jede*r ist gut so wie sie*er ist. Diese Aussage ist leider eine Besonderheit und nicht Konsens unserer Gesellschaft. Doch „unsere Körper sind so faszinierend, weil sie so vielfältig sind“. Ein Hoch auf die Diversität!

Julia Korbik schreibt auch für jüngere Leser*innen. Mit dem Buch „How to be a Girl. Stark, frei und ganz du selbst“ (Gabriel Verlag) hat sie ein Empowerment Werk geschrieben, das ab 13 Jahren gelesen werden kann aber auch viele Aussagen enthält die sich jeder Mensch jeden Alters öfter mal vor Augen führen könnte. Korbik legt strukturiert dar, wie man für sich selbst und für andere einsteht. Dieses Buch ist informativ, bereitet wissenschaftliche Diskurse verständlich auf und sieht dabei auch noch ziemlich schön aus.