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Klaus Wagenbach ist tot. Es lebe der Wagenbach Verlag!

Klaus Wagenbach ist am 17.12.2021 im Alter von 91 Jahren verstorben. Den Angehörigen und Freund_innen wünschen wir in dieser schwierigen Zeit alles Gute!

Die Bücher des Wagenbach Verlags werden weiterleben, sie sollen „hundert Jahre halten“, sagte Klaus Wagenbach einst. Und dafür geben sich die Wagenbachs damals wie heute alle Mühe. Gut produzierte, detailgenau lektorierte, schön anzusehende und meist auch anzufassende Bücher – damit zeichnet sich der Verlag aus. Nach der Salto-Reihe mit den roten Leineneinbänden wird im Buchladen mit großer Regelmäßigkeit gefragt.

Im Laufe der 68er entwickelte sich der Verlag schnell zu einem der wichtigsten Diskussionsorte für die Studierendenbewegung. Wagenbach verlegte Ulrike Meinhof (und hielt 1976 ihre Grabrede!), Johannes Agnoli und Rudi Dutschke, mehrfach gab es polizeiliche Razzien im Hause. Gesellschaftspolitische Themen machen bis heute einen zentralen Teil des Verlagsprofils aus. Parallel dazu fanden aber von Beginn an große literarische Stimmen aus Ost und West ihr Zuhause bei Wagenbach: Neben Ingeborg Bachmann, Günter Grass oder Erich Fried, beispielsweise auch Wolf Biermann. Der Fokus auf Italien blieb ebenfalls über die Jahre bestehen und so ist erst kürzlich ein buchgewordenes Kunstwerk von Horst Bredekamp über Michelangelo erschienen.

Mit dem Team um die heutige Verlegerin Susanne Schüssler geht es in diesem Sinne in das nächste halbe Jahrhundert!