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Deutscher Buchpreis: Robert Menasse für seinen Roman "Die Hauptstadt"

(Begründung der Jury) Das Humane ist immer erstrebenswert, niemals zuverlässig gegeben: Dass dies auch auf die Europäische Union zutrifft, das zeigt Robert Menasse mit seinem Roman ‚Die Hauptstadt‘ auf eindringliche Weise. Dramaturgisch gekonnt gräbt er leichthändig in den Tiefenschichten jener Welt, die wir die unsere nennen. Und macht unter anderem unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können. Die, die dieses Friedensprojekt Europa unterhöhlen, sie sitzen unter uns – ‚die anderen‘, das sind nicht selten wir selbst.

Mit ‚Die Hauptstadt‘ ist der Anspruch verwirklicht, den Robert Menasse an sich selbst gestellt hat: Zeitgenossenschaft ist darin literarisch so realisiert, dass sich Zeitgenossen im Werk wiedererkennen und Nachgeborene diese Zeit besser verstehen werden. 

 

Literaturnobelpreis 2017: Kazuo Ishiguro

Kazuo Ishiguro wurde 1954 in Nagasaki geboren und kam 1960 nach London, wo er Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 28 Sprachen übersetzt. Sein Roman »Alles, was wir geben mussten« (2005) wurde mit Keira Knightley in der Hauptrolle verfilmt. Der Autor lebt in London.

In deutscher Sprache lieferbar sind folgende Romane: "Alles, was wir geben mußten", "Als wir Waisen waren", "Bei Anbruch der Nacht", "Damals in Nagasaki", "Der begrabene Riese", "Der Maler der fließenden Welt", "Die Ungetrösteten", "Was vom Tage übrigblieb" 

 

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2017: Margaret Atwood

(aus der Begründung:) "Die kanadische Schriftstel­lerin, Essayistin und Dichterin zeigt in ihren Romanen und Sachbüchern immer wieder ihr politisches Gespür und ihre Hellhörigkeit für gefährli­che unterschwellige Entwicklungen und Strömungen. Als eine der bedeu­tendsten Erzählerinnen unserer Zeit stellt sie die sich wandelnden Denk- und Verhaltensweisen ins Zentrum ihres Schaffens und lotet sie in ihren utopischen wie dystopischen Werken furchtlos aus. Indem sie mensch­liche Widersprüchlichkeiten genau beobachtet, zeigt sie, wie leicht ver­meintliche Normalität ins Unmenschliche kippen kann. Humanität, Ge­rechtigkeitsstreben und Toleranz prägen die Hal­tung Margaret Atwoods, die mit wachem Bewusstsein und tiefer Men­schenkenntnis auf die Welt blickt und ihre Analysen und Sorgen für uns so sprachgewaltig wie lite­rarisch eindringlich formuliert. Durch sie erfahren wir, wer wir sind, wo wir stehen und was wir uns und einem friedlichen Zusammenleben schuldig sind.“

 

Berliner Literaturpreis 2018: Marion Poschmann

= Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung an der Freien Universität Berlin

(Begründung für die Preisvergabe) Die Schriftstellerin Marion Poschmann erhält den Berliner Literaturpreis 2018 für ihr Werk, das von hoher Sprachkraft und poetischem Witz geprägt ist. Ihr literarisches Schaffen umfasst Dichtung, Prosa und Essayistik und setzt in allen Bereichen eigenständige Akzente, die ihr Werk gerade in seiner einfachen aber hintersinnigen Weise herausragen lassen.

Ihre Romane zeichnen sich dadurch aus, dass deren Helden allesamt Sonderlinge sind, denen sie distanziert sympathisierend begegnet, deren Skurrilität aber nie verraten wird. Dieser Blickwinkel, stilistisch unverwechselbar entwickelt, eröffnet Zugänge zu Zwischenwelten, wie sie sich in Begegnungen zwischen Menschen, verschiedenen Kulturen oder im Umgang mit Flora und Fauna ergeben.

Auch in ihrer Lyrik hat sie die Beobachtung der Natur auf überraschende Weise erneuert: Mit geradezu botanischem Blick durchleuchtet sie pflanzliche Anordnungen und erfasst deren mystisch- mythologisches Potenzial, das sie in Gartenkulturen, die auch Gesellschaftsbilder sind, wiederfindet. Besonders fernöstliche Andersartigkeiten haben es ihr angetan, inhaltlich wie formal. Marion Poschmann gestaltet ihre Texte in einer Sprache, die ruhig, besonnen, feinsinnig und voller verblüffender Details ist. Damit verlangt sie den Leserinnen und Lesern höchste Konzentration auf die dargestellten Dinge ab. Sie bewirkt dadurch eine ganz eigene Art von Entschleunigung. Folgt man ihr, erschließen sich neue Sprachwelten von barock üppiger und romantisch raumgreifender Vielfalt. 

 

Aspekte Literaturpreis:  Juliana Kálnay für ihr Debüt "Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens"

(Begründung der Jury) "Wie viel Leben steckt in vier Wänden? Welche Erinnerungen haften an Böden, Fenstern und Türen? Wer in einer Wohnung lebt, lebt immer auch in einem Erinnerungsort, in einem Geschichtsraum. Und wenn schon eine Wohnung so viel Geschichten bietet, was hat dann erst ein ganzes Haus zu sagen? In ihrem Debütroman „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“ ringt Juliana Kálnay um einen anderen, einen fantastischen Blick auf die Welt. Ein Mann wird zu einem Baum, eine alte Frau spürt wie sich die Räume bei Kälte zusammenziehen, ein ganzes Haus lebt unter dem Gesetz des Unwirklichen. In feinen, leicht verschwommenen Vignetten erzählt Kálnay auf den Spuren des magischen Realismus vom Wundern und Träumen dieser Hausbewohner. Es ist ein Buch, in dem man sich herrlich verlieren kann. Und das große Lust macht auf die Welt des Surrealen."

 

Man Booker Price: George Saunders für seinen Roman "Lincoln in the Bardo"

In dem Roman des US-Amerikaners geht es um die Nacht, in der US-Präsident Abraham Lincoln im Jahr 1862 seinen elfjährigen Sohn zu Grabe trug. Die Jury beschrieb den Roman als "geistreiche, intelligente und tief bewegende Erzählung".

Der 58-jährige Saunders ist erst der zweite US-Amerikaner, der den britischen Literaturpreis erhält.

Der Booker Prize ist der wichtigste britische Literaturpreis. Ausgezeichnet werden Autoren, die auf Englisch schreiben und deren Werke in Großbritannien erscheinen.