Trotzdem Kluge

Es ist die Zeit der Lockerungen – draußen wird sich wieder aufgehalten, nicht nur in Parks, sondern auch auf den Straßen, im Restaurant oder auf den Märkten. Bei uns im Buchladen ist es auch die Zeit, in der die ersten Verlage Bücher herausbringen, die sich der Reflexion der Gesellschaft seit/mit Covid-19 widmen.

 

So haben sich Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge Ende März, als die neue Krankheit bereits als Pandemie klassifiziert war, über einen Messenger-Dienst unterhalten. Das Gespräch dreht sich um rechtliche Fragen – Freiheit und Sicherheit im Verhältnis –, um den Opa von Donald Trump, der an der spanischen Grippe gestorben ist oder um den Zusammenhang von großen Katastrophen und guter Literatur: Weil „alles Große, was dastehe als ein Trotzdem dastehe“. Ein kleines Buch, das Impulse zum Nachdenken über die coronafizierte Welt gibt!

 

Parallel dazu ist ein umfangreicheres und von etwas längerer Hand überlegtes Buch von Kluge erschienen, das sich über Umwege auch der Suche nach Verständnis der deutschen Gesellschaft verschrieben hat. „Alles, was mich verwirrt an meinem eigenen Land und was ich an meinen unmittelbaren Erfahrungen nicht verstehe, kann ich versuchen näherzukommen, indem ich von einem mir fremden Land erzähle.“ So beginnt Kluge seinen Russland-Kontainer, in dem er ebenfalls umherschweifend mit Heiner Müller und Swetlana Alexijewitsch, mit Humboldt und seiner Schwester Alexandra von Russland erzählt und sich der Faszination über die utopischen Entwürfe des 20. Jahrhunderts nähert. Durch viele Bilder, Materialien und Quellen, die dem Text beigefügt sind, ist der Band eine ganz eigene Wunderkammer, in der man sich nur allzu gern verliert.

 

Ferdinand von Schirach; Alexander Kluge: Trotzdem. Luchterhand Verlag, 8.00 €

Alexander Kluge: Russland-Kontainer. Suhrkamp Verlag, 34.00 €