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Colm Tóibín: Der Zauberer.

Der Zauber kommt in zwei seiner Buchtitel vor und als Zauberer bezeichneten ihn seine Kinder wegen der kleinen Tricks, mit denen er sie in den wenigen gemeinsamen Stunden unterhielt. Diesen Faden hat nun Colm Toíbín in seiner Romanbiografie aufgenommen und spürt dem zauberhaften im Künstlerleben von Thomas Mann und dessen Familie nach. 

Dabei erzählt er nicht nur brillant von den inneren Widersprüchen, die das schriftstellerische Schaffen von Thomas Mann antrieben: Von seinem homosexuellen Begehren, das mit der biederen und gutbürgerlichen Herkunft kollidierte und das der lebenslangen Loyalität gegenüber seiner Frau Katia keinen Abbruch tat. Von seiner strikten Arbeitsdisziplin, die ihn von Kindern und Bekannten entfremdete. Oder von den lange nachwirkenden Erwartungen des kaufmännischen Vaters, die es mit der überbordenden Fantasie des zweiten Sohnes nicht aufnehmen konnten. 

Auch der zeitliche Kontext und die historische Bedeutung der verzweigten Familie Mann wird bei Toíbín erzählerisch zum Leben erweckt. Die gesellschaftlichen Umbrüche, die sich wandelnden Ideen und die Herrschaftssysteme des 20. Jahrhunderts lassen sich anhand der Familie Mann exemplarisch erzählen - und Colm Toíbín ist diesem Stoff unbedingt gewachsen!