Percival Everett: Erschütterung.

Liest man nur die Inhaltsangabe des neuen Romans von Percival Everett, zuckt so manche Hand instinktiv zurück. Es geht um den Paläontologen (Fossilien!) Zach Wells, dessen zwölfjährige Tochter zunächst erblindet und daraufhin eine unheilbare Krankheit und drastisch verkürzte Lebenserwartung diagnostiziert bekommt. Aber es ist ja gerade die Kraft und der Zauber der Literatur, aus einer existenziellen Krise etwas Neues zu machen. Und das schafft Everett, deswegen empfehlen wir Ihnen dieses Buch umso mehr. Einerseits vermag Everetts Sprache mit Brüchen und Einschüben Verbindungen zu ziehen und Emotionen zu verbildlichen, die an der Oberfläche des Gesagten (oder Geschriebenen) nicht wahrnehmbar wären. Zunächst sind es geologische Funde, später das gemeinsame Schachspiel mit der Tochter. Es entsteht ein Wechsel zwischen Nähe und Distanz, die Coolness und Abgeklärtheit des schwarzen Universitätsdozenten bröckelt und weicht im nächsten Moment der Verletzlichkeit des Vaters, der die eigene Tochter nicht zu retten vermag.

Ein zweiter Erzählstrang entwickelt sich aus einem anonymen Hilferuf, versteckt auf einer kleinen Notiz im Kragen eines online bestellten Oberteils. Zach Wells lässt der Zettel und die spanische Bitte um Rettung nicht los, er bestellt weitere Hemden, fährt in die Wüste New Mexicos und nimmt mit großem Risiko Kontakt zu den Hilfesuchenden auf. Ein in der Tat erschütterndes, wunderbares Buch!