Schäfer, Andreas: Das Gartenzimmer.

Elsa und Adam Rosen ziehen 1909 in das Haus, welches der noch junge, unbekannte und unkonventionelle Architekt Max Taubert (Taut!) ihnen gebaut hat.

 

2001 zieht ein neues Ehepaar dort ein. Die denkmalgerechte Sanierung ist ein Kraftakt, Hannah Lekebusch widmet ihre gesamte Zeit der Inszenierung des Hauses, sie richtet zweiwöchentlich Führungen und diverse Empfänge aus. Darunter einen besonders aufwändigen zum Beginn einer weltweiten Ausstellungsreihe über das Haus und dessen Architektur. In dessen Verlauf gelangt der Sohn Lekebusch an einen Brief, den Elsa Rosen, die erste Bewohnerin des Hauses, im September 1945 in seinem späteren Zimmer an Lotta Taubert, die Frau des Architekten, geschrieben hat. Luis Lekebusch läßt der verstörende Inhalt des Briefes fortan nicht mehr los. Es geht darin auch um das Institut für Rassenhygiene, welches auf Wunsch des NSDAP-Ideologen Alfred Rosenberg ausgerechnet in dem Gartenzimmer der Villa eingerichtet werden sollte. 

 

„Ich sage dir, was für mich das besondere an diesem Haus ist. Es besitzt keinen Keller. Natürlich, im Untergeschoss liegt das Gartenzimmer, aber das ist kein Keller, in dem man Dinge aufbewahrt, es ist ein weiterer Wohnraum. In diesem Haus hat die Vergangenheit keinen Ort. Sie vergeht nicht. Alles ist immer da. Gegenwärtig. Deshalb komme ich von diesem Haus nicht los.“ (S. 251)

 

Berliner und deutsche Geschichte überwältigend in ihrer Knappheit und genialen Verknüpfung mit den persönlichen Geschichten zweier Familien. 

 

Ein Buch, welches ich nach dem Ende der Lektüre sofort wieder von vorn angefangen habe: Die Genese einer Villa in Berlin-Dahlem, auf der scheinbar ein schlechtes Omen liegt. 

Schäfer, Andreas
DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
ISBN/EAN: 9783832183905
22,00 € (inkl. MwSt.)