Anna Yeliz Schentke: Kangal.

„Ich bringe Osman Bey Geld, ich habe genug für ein halbes Jahr, was dann kommt, weiß ich nicht. Er sagt, er wolle mir helfen. Wir müßten zusammenhalten in diesem Land, das solle ich nicht vergessen. Ich halte mich zusammen. Hier in Frankfurt halte ich Ausschau nach Ayla. Denke an die Sommer vor dem Streit unserer Mütter.“ (S. 32f)

Dilek, Tekin, Soraya, Hilal, Sina, Baran und die anderen leben und studieren in Istanbul. Sie nehmen 2013 an den Gezi-Protesten teil, Soraya wird verhaftet, Teile ihrer Verhöre sind zwischen die Kapitel geschoben. Bald darauf putscht das Militär in der Türkei und Dilek, die sich im Netz „Kangal“ nennt, fährt zu ihrer Cousine nach Deutschland. Die Cousine Ayla, die schon ihr Leben lang in Frankfurt wohnt, und ihre Freunde haben ein ganz anderes Verhältnis zu ihrer vermeintlichen Heimat Türkei. Wer sagt die Wahrheit? Ist es wirklich so gefährlich dort für Dilek? Und was hat das alles mit dem Streit der Mütter ein paar Jahre zuvor zu tun?

Kurze Absätze vermitteln Einblicke in das Leben der jungen Türken, ihre Zerrissenheit, ihre dauerhafte Suche nach Heimat. Die kurzen Sätze geben den Sound der Straße und des Gehetzt-Seins wieder.

Kategorie: Romane