Miljenko Jergović: Die unerhörte Geschichte meiner Familie.

Diese monumentale Familiengeschichte ist so bisher noch nicht gehört worden. Brigitte Döbert, die Jergovics Familiensaga aus dem Kroatischen übersetzt hat, wusste anfangs selbst nicht wie sie den Originaltitel „Rod“ übersetzten solle, da es im Deutschen keinen Begriff gibt, der in einem „Verwandtschaft und Familie bis zu Sippe und Stamm“ benennt.

Der Ausgangspunkt des Familienromans ist die Reise des Autors zurück nach Sarajewo, wo er die im Sterben liegende Mutter besucht.  Die untröstliche Mutter erzählt in Erinnerungsschüben die Familiengeschichte, beginnend mit dem Urgroßvater und Jergovic notiert sie.

In 7 Teilen erzählend, entdeckt man unterschiedliche Strukturen. Mal eine Reportage oder kleine Geschichte, mal eine Anekdote oder besondere Episode aus dem Leben der Verwandten. Die wiederkehrenden Themen sind Nationalität, Sprache, Identität. Und die Region, in der sich alle Kulturen und Herkünfte seit jeher vermischt haben, ob kroatisch, serbisch oder deutsch.

Und so wundert es nicht, wenn Jergovic selbst zu seinem Buch kommentiert, dass seine Identität sich gerade aus dem zusammensetzt, was er nicht ist. Das Gefühl von Fremdheit ist dem großen europäischen Erzähler geblieben, auch wenn er sich an den Konflikten der Gegenwart auf seine Weise reibt. Autobiografisches und Fiktionales sind hier wunderbar verwebt. So über das Leben und den Tod zu schreiben ist ein Talent, das hier auf über 1000 Seiten Platz zum Entfalten gefunden hat.

Jergovic, Miljenko
Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung
ISBN/EAN: 9783895613968
34,00 €
Kategorie:
Romane