Nathan Hill: Geister.

Es gab schon lange nicht mehr einen so konsequent politischen Roman aus den USA wie dieses Debüt von Nathan Hill! Sehr geschickt verbindet der Autor die heutige Zeit, die US-amerikanische Gesellschaft nach 9/11, mit den Unruhen und Studentenrevolten 1968; in dem Jahr titelten die Schlagzeilen der Zeitungen die „kommunistische“ Gefahr, die von den langhaarigen und drogensüchtigen Hippies ausgehe. Chicago 2011: Der Literaturprofessor Samuel Andersen erfährt, daß seine Mutter Faye, die ihn, als er acht Jahre alt war, plötzlich und ohne Grund verliess, den Präsidentschaftskandidaten, Gouverneur Sheldon Packer, mit Kieselsteinen beworfen hat. Samuel will seine Mutter helfen, recherchiert auf eigene Faust, fährt zu dem Richter Charlie Brown, der seine Mutter sogar wegen „Terrorismus“ anklagen will – lebenslange Haft droht. Samuel findet heraus, daß jener Richter Charlie Brown seine Mutter aus ihrer Studentenzeit 1968 in Chicago kennt, als die große Arbeiterstadt ihre größten Unruhen im 20. Jahrhundert erlebte.  Der Richter scheint eine alte offene Rechnung mit Samuels Mutter begleichen zu wollen. Was geschah 1968 vor dem Hilton Hotel, wo der Wahlkampfparteitag der Demokraten stattfand, abgeriegelt und „beschützt“ von schwer bewaffneten Polizisten und der Nationalgarde? Wo befand sich Faye am Tag der Demo? Ein Foto zeigt sie mit Freundinnen und Freunden beim Sit-In. Die Antworten auf Samuels Fragen finden sich in diesem Foto, doch dafür muß man das Originalfoto kennen und nicht die ausgeschnittene Presseausgabe von damals.

Studenten-Unruhen, Arbeiterstreiks damals und heute: Amerikas jüngste Geschichte ist auch die der Proteste und des Widerstandes gegen Politik und Wirtschaft – ein großer Verdienst dieses Romans ist es, sich wieder darüber bewußt zu werden.

 

Hill, Nathan
Piper Verlag
ISBN/EAN: 9783492057370
25,00 €
Kategorie:
Romane