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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783312009480
Sprache: Deutsch
Umfang: 387 S.
Format (T/L/B): 3.5 x 21.8 x 14.8 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Die Freunde Jalle und Kino sind leidenschaftliche Film-Fans. Sie drehen Kurzfilme, auch einen über den Hund der Nachbarin - wobei er, schlimm genug, ums Leben kommt. Aber statt der Nachbarin die Wahrheit zu beichten, inszenieren die Freunde eine Scheinentführung und fordern Lösegeld. Das bringt natürlich jede Menge Ärger ein. Genau jetzt muss sich Jalle auch noch in Jytte verlieben. Sie ist die Tochter einer Journalistin, die Jalles Vater etwas anhängen will - scheinbar ist das ganze Leben eine Soap. Doch da gibt es einen großen Unterschied: Im Zweifelsfall wird es im Leben und der Liebe bitter ernst.

Autorenportrait

Mats Wahl, 1945 geboren, zählt zu den großen skandinavischen Jugendbuchautoren. Er hat über 40 Bücher veröffentlicht, darunter Romane für Kinder und Jugendliche, Theaterstücke, Drehbücher für Fernsehfilme und TV-Serien und pädagogische Fachbücher. Für sein Werk erhielt er neben zahlreichen anderen Preisen auch den Deutschen Jugendliteraturpreis. Bei Hanser erschienen u. a. Du musst die Wahrheit sagen (2011), Wie ein flammender Schrei (2014) sowie die ersten drei Bände der Sturmland-Saga: Sturmland - Die Reiter (2015), Sturmland - Die Kämpferin (2016) und Sturmland - Die Gesetzgeber (2016). Die vierte Band der Reihe, Sturmland - Die Lebendigen, folgte im Frühjahr 2017.

Leseprobe

Mama behauptet, Lucille hätte ihren Namen aus einem sentimentalen Grund bekommen, aber das erklärt gar nichts. Wie man ein Mädchen Lucille taufen kann, übersteigt meinen Verstand. Der Spitzname ist ja fast vorprogrammiert. Aber für Mama existieren keine Spitznamen. »Jeder Name kann in einen Ehrennamen verwandelt werden«, sagte sie jedes Mal, wenn Lucille schimpfend aus der Schule nach Hause kam. Aber als auf der ersten Seite der Lokalzeitung stand: »Lus bekommt eine Rolle in einer Soap!«, da fand sogar Mama, das gehe zu weit. »Das Mädchen ist doch erst achtzehn«, hörte ich sie am Telefon sagen. »Das ist ein heikles Alter.« »Wer ist nicht in einem heiklen Alter?«, hatte ich an dem Abend zu Kino gesagt, als wir uns Butch Cassidy and the Sundance Kid reinzogen. »Sch«, machte Kino. »Jetzt kommt es.« Und als Paul Newman die Replik losließ, ergänzte Kino: »Who are those guys?« Er nickte und sah mich mit einem bedeutungsvollen Blick an, der sagen sollte, diesen Satz durfte man nicht vergessen. »A bat out of hell«, parierte ich, um zu zeigen, dass ich nicht vergessen hatte, welche Erwiderung Kino aus dem Film von gestern für wichtig gehalten hatte. Am nächsten Tag stand dann fett auf der ersten Seite der Lokalzeitung, dass Lus eine Rolle in einer neuen Soap bekommen hatte. »Warum hast du nichts gesagt?«, fragte Kino. »Weil es geheim bleiben sollte.« »Ts«, machte er. »Geheim.« »Scheißgeheim.« »Drück dich anständig aus«, sagte Kino. »Genau.« Dann fuhren wir zu ihm nach Hause und sahen uns 39 Stufen an, einen Schwarz-Weiß-Film von Hitchcock. Kino fand ihn »saugut«. »Drück dich anständig aus«, sagte ich. Es kam darauf an, dass er sich nicht dauernd als der Größte fühlte. Er war so schon verrückt genug und der Größenwahn lauerte hinter der nächsten Hausecke. Das hat Modin jedenfalls gesagt. »Megalomanie«, seufzte er, als Kino in der Siebten ein Referat hielt. Es handelte davon, wie man Gott verändern müsste, damit alles besser würde. »Gebt mir sieben Jahre«, sagte Kino, »und ich hab's geschafft!« Modin schüttelte den Kopf. »Visionen sind gut, Karl-Inge, aber deine müssten vielleicht ein wenig der Realität angepasst werden.« »Man muss ihm verzeihen«, sagte Kino in der Pause. »Er wird langsam alt.« Dann holte er eine Ausgabe von Sight and Sound hervor und versenkte sich darin, während ich heimlich Lena Helmstedt betrachtete. »Glotzt du schon wieder?«, knurrte er, ohne den Blick zu heben. »Was liest du da?«, fragte ich, als Lena um die Ecke verschwunden war. »Spielberg.« Kino kannte den Weißen Hai auswendig, jede Einstellung, jeden Schnitt, alles. »Was gibt's im Club?«, fragte ich, als Lena wieder auftauchte. Sie ging an mir vorbei, als wäre ich ein Stück Nichts, in eine Ecke gestopft, wo man all das vergisst, was der Menschheit egal geworden ist. Er antwortete nicht. Ich sah Lenas Rücken, sie verschwand in der Schrankhalle. »Wir müssen wieder anfangen«, sagte Kino, ohne von der Zeitschrift aufzusehen. »Wir könnten was mit Lena Helmstedt machen«, schlug ich vor. »Hoffnungsloser Fall«, sagte Kino, immer noch in seine Zeitschrift vertieft. »Die hat eine Ausstrahlung wie ein überfahrenes Eichhörnchen.« »Sie ist hübsch.« »Ach was«, sagte Kino. »Was gibt's im Club?« »Sie machen mit der Fellini-Serie weiter.« Kinos Vater war Vorsitzender des Filmclubs. Kino besaß eine Sammlung von sechshundert Videokassetten mit Spielfilmen. »Ein Remake«, schlug ic Leseprobe