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Schwedisch für Idioten

Auch erhältlich als:
Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783312009565
Sprache: Deutsch
Umfang: 334 S.
Format (T/L/B): 3 x 22 x 14.8 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Wie ist Henke Törnkvist bloß in der Idiotenklasse gelandet? Früher war er doch ganz passabel in der Schule. Aber gute Gründe, hier zu sitzen, haben sie alle, das lässt sich nicht bestreiten. Nur die neue Lehrerin scheint das nicht zu begreifen. Die Klasse soll gemeinsam ein Buch schreiben? Es ist nicht zu fassen. Was sollen Idioten auch noch aufschreiben? Mit treffsicherem Witz und der bekannten harten Feder lässt Mats Wahl die Puppen auf der Schulbank tanzen.

Autorenportrait

Mats Wahl, 1945 geboren, zählt zu den großen skandinavischen Jugendbuchautoren. Er hat über 40 Bücher veröffentlicht, darunter Romane für Kinder und Jugendliche, Theaterstücke, Drehbücher für Fernsehfilme und TV-Serien und pädagogische Fachbücher. Für sein Werk erhielt er neben zahlreichen anderen Preisen auch den Deutschen Jugendliteraturpreis. Bei Hanser erschienen u. a. Du musst die Wahrheit sagen (2011), Wie ein flammender Schrei (2014) sowie die ersten drei Bände der Sturmland-Saga: Sturmland - Die Reiter (2015), Sturmland - Die Kämpferin (2016) und Sturmland - Die Gesetzgeber (2016). Die vierte Band der Reihe, Sturmland - Die Lebendigen, folgte im Frühjahr 2017.

Leseprobe

Da näherte sich ein kleines blondes Mädchen mit Zöpfen und hübschen Brüsten. Sie trug einen eng anliegenden Rock und ein dunkelblaues T-Shirt. Ihr Gesicht sah aus, als hätte sie es seit Anfang Juni in die Sonne gehalten. In der einen Hand trug sie ein Schlüsselbund, das so groß wie ein Tennisball war, und mit der anderen drückte sie sich einige Bücher gegen die Brust. Sie reichte mir bis zum Kinn. Zwischen ihren beiden großen weißen Schneidezähnen war eine kleine Lücke. »Hallo«, sagte sie, »ihr seid die 1F, oder?« »Ja«, sagte ich. Sie warf einen Blick in den schattigen Teil des Korridors, als glaubte sie, dort verstecke sich eine Gruppe Schüler aus Angst, sie würde sagen, dass immer immer mit zwei m geschrieben wurde. »Mehr seid ihr nicht?« »Wir sind genug«, behauptete Emma, die von der Fensterbank gerutscht und näher gekommen war, um die Neue zu mustern. »Dann gehen wir rein«, sagte die, die in der Sonne gelegen hatte. Sie steckte den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn herum und hielt die ganze Zeit die Bücher gegen die linke Brust gedrückt. Sie merkte, dass ich sie beobachtete, und lächelte. Dann machte sie einen Schritt beiseite und ließ uns drei den angenehm kühlen Raum betreten. »Ist das kalt hier«, jammerte Emma und ging auf das Fenster im hinteren Teil des Raumes zu, hob den Stuhl vom Tisch und setzte sich, das Kinn in beide Hände gelegt und die Ellenbogen auf die Tischplatte gestützt. Kosken und ich setzten uns in die gegenüberliegende Ecke ganz hinten. Wenn man saß, konnte man die Braungebrannte kaum noch sehen, die jetzt den Stuhl vom Katheder hob. »Wollen wir gemeinsam die Stühle von den Tischen nehmen?«, schlug sie vor. Niemand rührte sich. Sie ging zu den Tischen vorm Katheder und begann, die Stühle herunterzuheben. Nachdem sie vier Stühle auf den Boden gestellt hatte, wandte sie sich an Emma. »Es ist netter, wenn ihr hier vorn sitzt.« »Ich hab immer ganz hinten gesessen«, antwortete Emma. »Dann ist es Zeit für eine kleine Abwechslung«, sagte die Braungebrannte. »Das geht nicht«, sagte Emma, »ich bin weitsichtig.« »Aha«, sagte die Braungebrannte und wandte sich an Kosken und mich. »Aber vielleicht wollt ihr beiden hier vorn sitzen?« »Wir haben auch Augenfehler«, knurrte Kosken. »Das glaub ich nicht«, antwortete die Braungebrannte, verzog den Mund und fuhr fort, Stühle von den Tischen zu heben. »Es ist aber wahr«, log Kosken. Sie tat mir Leid und ich stand auf und half ihr mit den Stühlen. Sie, die uns was beibringen sollte, hatte den Kathederstuhl und weitere sieben Stühle auf den Boden gestellt. Ich übernahm die übrigen zehn. Als ich fertig war, setzte ich mich wieder, und unsere vollbusige Lehrerin schrieb mit großen, runden Buchstaben ihren Namen an die Tafel. Johanna Persson. Dann drehte sie sich um und schien den Abstand zwischen uns mit den Augen abzuschätzen. »Es wäre schöner, wenn wir nicht so weit voneinander entfernt wären.« Sie lispelte ein wenig, als sie das sagte. Emma wälzte ihr Kaugummi im Mund. Kosken hatte den Oberkörper über den Tisch gelegt, Arme und Hände über dem Kopf. Johanna Persson zeigte auf mich. »Wie heißt du?« »Werd Henke genannt.« »Nachname?« »Törnkvist.« Johanna Persson nickte und wandte sich an Emma. »Emma Falk«, sagte Emma durch ihr Kaugummi, bevor Frau Persson sie fragen konnte. Sie wandte sich an Kosken. Er sagte nichts. Es war still. »Was ist los?«, fragte Kosken nach einer Weile und richtete sich auf. »Wie heißt du?«, flüsterte Johanna Persson. »Matti Koskela«, antwortete Kosken. Sie nickte, als ob sie an etwas gedacht hätte, von dem sie nicht wusste, ob es wichtig oder bedeutungslos war. Dann öffnete sie den Mund und zeigte die Lücke zwischen den Schneidezähnen. »Und nun seid ihr also in der Oberstufe.« Emma warf mir einen Blick zu. Niemand sagte etwas. Kosken wimmerte, warf sich wieder über den Tisch und umklammerte die Tischkante mit den Händen, als müsste er sich festhalten, um nicht aus dem Raum geschleudert zu werden, in den Flur hinau Leseprobe

Schlagzeile

Das Leben liefert nicht nur Helden