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Instanzen der Ohnmacht

Wien 1938-1945 - Der Weg zum Judenrat

Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783633541621
Sprache: Deutsch
Umfang: 496 S.
Format (T/L/B): 3.5 x 20.5 x 13 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Eine beeindruckende historische Studie zur erzwungenen Kooperation von Juden mit dem NS-Regime - am Beispiel Wien. Spätestens seit Hannah Arendts Eichmann-Buch und ihrer Kritik an der Rolle der Judenräte in der Zeit der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden wird die Frage der Zusammenarbeit von jüdischen Repräsentanten mit dem NS-Regime äußerst kontrovers diskutiert. Wie konnten Menschen gezwungen werden, an ihrer eigenen Vernichtung mitzuwirken?Wer verstehen will, wie die Judenräte entstanden, muß sich mit den Wiener Verhältnissen auseinandersetzen. In Wien entwickelte und erprobte Eichmann ab 1938 sein 'Modell' nationalsozialistischer Judenpolitik. Hier wurde die 'Zentralstelle für jüdische Auswanderung' - wie sie euphemistisch genannt wurde - installiert, mit der die Nazis erst die Massenvertreibung, dann die Deportation in die Vernichtungslager organisierten. Zugleich wurde ab 1938 die jüdische Administration in Wien systematisch umstrukturiert und in einer vom NS-Regime erzwungenen Kooperation schrittweise in die Vertreibung und schließlich Verschleppung der österreichischen Juden in die Vernichtungslager hineingezogen. Die Wiener jüdische Gemeindeleitung wurde zum Prototyp aller späteren Judenräte. Doron Rabinovici versucht in seiner Studie der Situation der Verfolgten gerecht zu werden. Er lenkt immer wieder den Blick auf einzelne jüdische Funktionsträger und zeigt, wie das verzweifelte Bemühen, wenigstens so viele Menschen wie möglich zu schützen und zu retten, die Verfolgten zugleich ihren Verfolgern zuarbeiten ließ. Die jüdischen Verwaltungsorgane waren unter den vorgegebenen Bedingungen des nationalsozialistischen Herrschaftssystems nichts als Instanzen der Ohnmacht.'Die Perspektive der Verfolgten offenbart, wie unfaßbar und wie widersinnig all das erscheinen mußte, was ihnen angetan wurde. Ihre verzweifelten Hoffnungen und ihre Ohnmacht spiegeln das Ausmaß und den Charakter des Verbrechens wider.'

Autorenportrait

Doron Rabinovic, 1961 in Tel Aviv geboren, in Wien aufgewachsen, ist Schriftsteller und Historiker. Sein Werk umfasst Kurzgeschichten, Romane und wissenschaftliche Beiträge. In Österreich hat er immer wieder prominent Position gegen Rassismus und Antisemitismus bezogen. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jean Améry-Preis für Essayistik (2003) und mit dem Anton Wildgans-Preis (2011). Zuletzt erschien von ihm 2010 der Roman Andernorts im Suhrkamp Verlag.