im ländchen sommer im winter zur see

Der Abschied zweier Liebenden, sich zweier sehr verbunden fühlender Menschen, den man kaum als solchen erkennt, so leicht und zart kommt Judith Zanders Sprache daher.

Bild und Text lösen sich ab, stehen nebeneinander und forcieren sich gegenseitig.

9 Fotos, umrahmt von Gedichten. Wir sehen auf diesen Fotos:

Graue Himmelsabschnitte, eine Landstraße, die sich irgendwo im Nichts aufzulösen scheint, ein See, ein Wald voller Bäume, Baumsäulen, die Andeutung eines Kreises im Sandboden, drei einsame Schwalben die sich in einem ewig grauen, trostlosen Himmel aufzulösen scheinen baumwollbläue eines verworfenen himmels, so Zander. Ihre Flugrichtung vielleicht verloren haben? Nicht weiter wissen, wohin? Keinen Kompass mehr haben? Denn immer wieder ist hier auch von Magnetfeldern die Rede.

es dämmert dürr liegt das nochsommerland, heisst es gleich zu Beginn. Hat wohl die auszehrung sagte man so dahin. Und später in einem anderen Gedicht das ist der kern.

Sehr körperlich spürt man diesen Abschied hier, der trotz oder vor allem gerade wegen der Leichtigkeit der Sprache fühlbar wird, ein Abschied, der in der schwärze des strands steckt, im schnee, den seestücken, im rand, den böhmischen wäldern (sofortige bachmann assoziation öffnet sich) im asphaltdunkel und der ausfahrt, im schweigen, der asche und der plötzlichen verlassenheit, im Strippenregen,er steckt auch in Worten wie dem septembergelb und der baumwollbläue.

Streusand heißt eines der Gedichte.

geleimte waisenplaneten und später in der /schwebe ein rauchvogel über dem land

in einem anderen gerne wäre ich einig mit dir verblieben.

Alles scheint offen, bevor es sich wieder schließt und die Sprache hier immer auch Grenzen des Möglichen auslotet. Grenzen zwischen Landschaften, zwischen Du und Ich, Sommer und Winter, oben und unten, Küste und Land, rau und zart, Grenzen auch zwischen den Sprachen.

ausfahrt

zu gelangen mit nichts und niemand

ins namenlose benachbarter marken

heißt es. Flure lösen sich auf, die Landschaft wird eins, aber auch zarte und leise Selbstermächtigungsversuche finden statt, etwa durch das ganz plötzlich auftauchende wort liberty.

Ursprungssehnsüchte klingen immer wieder an zu verschmelzen die rede von jener erzenen stadt.

Den Gedichtband im ländchen sommer im winter zur see zu lesen, fühlt sich an wie eine lange Reise ins Vertraute zu machen und dabei in den Landschaften auch immer wieder das Fremde zu entdecken.

 


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