BERLINPREMIERE Jáchym Topol: Die Hölle gibt es nicht
Prag, am 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Großangriffs auf die Ukraine. Tom, ein alternder Journalist, bricht mit seiner Geliebten zu einem Ausflug in die Umgebung auf. Ein südböhmisches Barockkloster verspricht Ablenkung von innerer und äußerer Konfusion: Seine Ehe ist kaputt, der Job hängt am seidenen Faden, der schwule Sohn macht ihm Sorgen. Da meldet sich die Redaktion - Point, ein angesagtes Organ, finanziert von einem undurchsichtigen Geschäftsmann mit Verbindungen nach Russland. Man braucht sofort einen Artikel über das Vertrauen der Tschechen in die Nato …
Die Hölle gibt es nicht erzählt voller Komik und Verzweiflung, was aus den Hoffnungen und Träumen von 1989 geworden ist. Da taucht nicht nur die alte, sehr tschechische Geschichte wieder auf – gegen die Panzer einer Invasionsarmee ist der Einzelne machtlos. Sondern auch die akute Erfahrung: verstrickt in Liebes- und Familienchaos, wird man dem historischen Augenblick kaum gewachsen sein.
Lesung der deutschen Passagen und Moderation: Eva Profousová
Übersetzung: Lena Dorn
Jáchym Topol, 1962 in Prag geboren und Sohn des Dramatikers Josef Topol, war nicht nur der Star des literarischen und musikalischen Underground vor 1989, sondern ist auch heute noch der bekannteste tschechische Autor seiner Generation. 1985 begründete er das Underground-Magazin Revolver Revue. Zwischen 1989 und 1991 bereiste er als Journalist Osteuropa und studierte anschließend Ethnologie. Nach seinem ersten Gedichtband Ich liebe Dich bis zum Irrsinn, folgten ab Anfang der 90er Jahre mehrere Romane. Topol lebt in Prag.
Eva Profousová, 1963 in Prag geboren, studierte Bohemistik, Russistik und Osteuropäische Geschichte in Hamburg und Glasgow. Für ihre Übersetzungen aus dem Tschechischen (neben dem Werk Jáchym Topols vor allem Bücher von Radka Denemarková, Jaroslav Rudiš und Michal Viewegh) wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt in Berlin.
Lena Dorn übersetzt Poesie, Prosa, Essays und Kinderbücher aus dem Tschechischen. Seit 2023 arbeitet sie für die Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf. 2021 erhielt sie den Sonderpreis Neues Talent (Übersetzung) beim Jugendliteraturpreis, 2023 bekam sie ein Exzellenzstipendium des Deutschen Übersetzerfonds, 2024 erhielt sie den Otokar-Fischer-Preis in Prag für ihr Buch „Übersetzungsbewegungen“.
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