Cora Wucherer: All die Farben, all das Licht.
Juna und Martha sind Schwestern, die nicht verschiedener sein könnten. Juna ist fast achtzehn und auf dem besten Wege, sich nach ihrem Schulabschluss an der Kunstakademie zu bewerben. Martha ist knapp vierzehn und weiß noch nicht, was sie vom Leben will - hauptsache weg von ihrer Schwester. Diese ist schließlich der Lebensmittelpunkt des Vaters. Das liegt vielleicht auch daran, dass Martha seit ihrer Geburt am Usher-Syndrom erkrankt ist. Sie trägt von klein auf Hörgeräte und nun beginnt auch ihr Augenlicht zu schwinden - eine absolute Katastrophe, da sie doch Künstlerin werden möchte. Die unabwendbare Tatsache, dass Juna binnen weniger Monate erblinden wird, macht etwas mit allen drei Familienmitgliedern, vor allem aber verschiebt sie etwas zwischen den Schwestern.
Schwesterngeschichten gibt es viele. Was diese so besonders macht ist die Leichtigkeit, mit der Cora Wucherer schreibt. Über Streit, die Abwesenheit der Mutter, die scheinbar unüberbrückbaren Differenzen der Schwestern, den Vater, der mit allen Mitteln für seine Töchter kämpft, und eben auch über die Krankheit, die zwar nur Juna, aber dann doch die ganze Familie betrifft. Es ist ein Roman, der schwer daherzukommen scheint, und er könnte niederschmetternd und melancholisch sein, doch ist er das nicht. Denn Wucherer zeigt ihren Figuren einen Weg auf, den sie gemeinsam gehen können, der Licht bereithält und Schatten - wie das Leben nunmal ist. Miteinander. Trotz allem.