Iida Turpeinen: Das Wesen des Lebens.

„Kamtschatka, Ferner Osten Russlands, 1741.  Alle Forschungsreisen beginnen mit einer Tasse Tee. Kapitän-Kommandeur Vitus Bering füllt die Tasse, und aus ihr trinkt der Theologe, Naturforscher und seltsame Kauz Georg Wilhelm Steller.“ (S. 13) - so beginnt verhältnismäßig unspektakulär die sensationelle Entdeckung der heute ausgestorbenen mächtigen Steller‘schen Seekuh. Peter der Große und nach ihm Kaiserin Anna geben den Auftrag, die Route zwischen Asien und Amerika zu kartieren. Die Fahrt ist entbehrungsreich und lang, sehr viele Seeleute verlieren ihr Leben - Georg Wilhelm Steller gelingt die Entdeckung und Vermessung der Seekuh. Allerdings muss er seine sämtlichen Präparate zurücklassen und kann nur Aufzeichnungen von der Expedition mitnehmen.

Zweiter Akt: Johan Hampus Furuhjelm wird als Gouverneur 1859 mit seiner Frischvermählten Anna Elisabeth von Schoultz nach Alaska geschickt. Furuhjelm allerdings ist extrem viel unterwegs, zunächst in Europa, wo in London erstmals Haut und Fleisch von Dinosaurierskeletten nachgebildet und ausgestellt werden, sodass man eine Ahnung von deren Aussehen und Lebensgröße bekommt. Hier ist der Kipppunkt: einerseits sind Wissenschaft und Interesse der Bevölkerung so weit fortgeschritten, dass naturhistorische Sammlungen mit größter Begeisterung aufgenommen werden, andererseits verstehen die Menschen (noch) nicht, wie sie die Populationen schützen müssen, um sie zu bewahren. Denn: nach Steller kommen zahllose Pelzjäger nach Alaska und jagen die Seekühe nicht als Nahrungsquelle, sondern nur aus Langeweile. So beginnt die unheilvolle Ausrottung mehrerer Spezies. Die Dezimierung der Otter sorgt für eine ungehinderte Expansion der Seeigel, da diese keine natürlichen Feinde mehr haben. Der Mensch greift, wo er jenseits des wissenschaftlichen Interesses sinnlos jagt, in das Gleichgewicht der Erde ein und zerstört es. 27 Jahre nach Stellers Entdeckung ist die letzte Seekuh tot. Alaska wird für 4ct pro Hektar von Russland an die USA verkauft.

Dritter Akt: Hilda Olson ist die perfekte Assistentin für Professor Bonsdorffs Skelettsammlung der Kaiserlichen Alexanders-Universität im Helsinki des Jahres 1861. Sie zeichnet nicht nur Spinnen maßstabsgetreu, sondern erweckt auch die Seekuh mit ihren lebendigen Zeichnungen zu einer greifbaren Vorstellung.

Vierter Akt: in den 1950er Jahren repariert der Präparator John Grönvall im Helsinkier Tierkundemuseum das Ei des Riesenalks und bessert das Skelett der Seekuh aus.


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