Julia Malye: La Louisiane.

Frankreich, zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Aus der Salpêtière in Paris werden neunzig Frauen ausgewählt, die die französische Kolonie am Mississippi bereichern sollen. Darunter ehemalige Kriminelle, Frauen, die angeblich der Hysterie anheim fielen und solche, die als Waisenmädchen ins Haus kamen. An Bord der Baleine werden sie über Wochen nach Louisiane verschifft. Sie erwarten wenig, wissen, dass sie als Ehefrauen, die der Kolonie Kinder schenken sollen, gebraucht werden.

Charlotte, Geneviève und Pétronille sind drei dieser Frauen, deren ersten gut 15 Jahre in der Kolonie erzählt werden. Wir reisen mit ihnen nach Nouvelle Orléans, Fort Rosalie und hinauf bis zu den Illinois. Es kommt zu Konflikten innerhalb der von Hunger geplagten Gesellschaft, vor allem aber zwischen den Kolonialisten und dem indigenen Volk, welches vertrieben wird. Auch Sklaven erproben den Aufstand.

Inmitten all dieser komplexen, unglaublich gut recherchierten Themen webt Julia Malye die fiktiven Geschichten der Frauen, die genau so hätten passiert sein können. Im Nachwort erzählt die Autorin, dass sie über Jahre hinweg an dem Buch arbeitete und sehr, sehr viele Quellen nutzte, um den Roman so nah wie möglich an die damalige Realität heranzubringen. Das merkt man den knapp 600 Seiten, übersetzt von Sina de Malafosse, auch durchaus an. Das Leben in und außerhalb von Louisiane entfaltet so, wie es hier beschrieben wird, einen Sog, der einen als Leser*in bis zum Schluss nicht mehr loslässt.


Bibliographie
Kategorie