Julie Otsuka: Solange wir schwimmen
In einem Schwimmbad unter den Straßen der Stadt ziehen sie ihre Bahnen, um ihre täglichen Sorgen zu vergessen: Künstler, Professorinnen, Nonnen, Veganerinnen, Schauspieler, Hundesitter…so auch Alice, pensionierte Labortechnikerin in einem frühen Stadium von Demenz. Sie erinnert sich nicht mehr an die Nummer ihres Schließfachs, aber „sobald sie ins Wasser gleitet, weiß sie, was zu tun ist. Ihre Atemzüge sind lang und fließend, ihr Beinschlag ist kräftig, ihr Geist ist klar. ,Da oben‘, sagt sie, ,bin ich einfach nur eine kleine alte Dame. Aber hier unten im Schwimmbad bin ich ich selbst.‘“
Doch eines Tages erscheint am Beckengrund ein Riss, der Unruhe und Irritation unter den Schwimmenden auslöst. Und auch in Alices Gedächtnis tun sich nach und nach weitere Lücken auf, bis sie eines Tages nicht mehr ihre geliebten Bahnen schwimmen kann und in ein Pflegeheim umziehen muss.
Während sie sich und der Welt zunehmend abhandenkommt, nimmt ihre Tochter die Erinnerungsfäden in die Hand und versucht so, eine neue Nähe zur Mutter herzustellen.
Mit großem Feingefühl und Gespür für das Komische im Tragischen schreibt Julie Otsuka über Liebe und Verlust, Trauer und Erinnerung und über die Frage, was ein Leben ausmacht. Man gleitet wie trunken durch die Seiten, gewissermaßen hypnotisiert vom stetigen Rhythmus des Schwimmens.
Eine kleine Perle von einem Roman, ein äußerst berührendes Leseerlebnis und sprachschön übersetzt von Katja Scholtz.