Necati Öziri: Vatermal.
Ein Abschiedsbrief an den abwesenden, sterbenden Vater, der sich plötzlich verwandelt: „Aber jetzt ist es andersherum. Nicht du stirbst, sondern ich. Ich liege auf der Intensivstation. Organversagen.“ (S. 16) „Hast du dir schon mal vorgestellt, dass ich tot bin? […] Du sollst wissen, wer ich gewesen bin. Damit du niemals die Erleichterung fühlst, von der ich so oft heimlich träumte: von einem Toten angeschwiegen zu werden. Ich möchte dir für immer die Möglichkeit nehmen, nicht zu wissen, wer ich war. Du sollst erfahren, wie es deiner Familie in Deutschland ging, wie im letzten Sommer meiner Jugend alle meine Freunde verschwunden sind und wie auch ich versuchte, vor mir selbst zu fliehen.“ (S. 19f)
Ein eindringlicher Monolog eines Sohnes an seinen abwesenden Vater. Der Autor schreibt für das Maxim Gorki Theater, Nationaltheater Mannheim und Schauspielhaus Zürich.
Mutter Ümran mußte als Kind mit ihren Geschwistern bei der verhassten Tante bleiben, während die Eltern nach Deutschland zum Arbeiten gegangen sind. Entsprechend hat sie ihre Tochter Aylin erzogen, ihr alle Freiheiten gelassen - heute wechseln sie sich an Ardas Krankenbett ab, haben miteinander gebrochen. Arda erzählt von seinen Freunden Bojan, Savas und Danny, die jeden Tag zusammen abhängen. Von ihrem bitteren, chancenarmen Alltag. Manche haben Flucht-Hintergrund. „Aber wenn es eine Sache gibt, die ich spätestens an dem Nachmittag in der Garage begriffen habe, dann, dass wir alle auf dieser Welt nur beschissene Gastarbeiter sind, und das Einzige, was du tun kannst, ist, aufstehen und das Leben suchen, solange du noch kannst. Ich atme ein und aus.“ (S. 258)