Robert Seethaler: Das Café ohne Namen.

Als Robert Simon im Spätsommer des Jahres 1966 am ehemaligen Marktcafé am Karmelitermarkt in der Wiener Leopoldstadt vorbeispaziert, weiß er sofort: das wird sein Café! Nach einigen Umbauarbeiten eröffnet er, allerdings fällt ihm partout kein Name für die Restauration ein. Dabei bleibt es auch zunächst.

Nach kurzer Zeit stellt er schon Mila, eine junge Frau aus einem österreichischen Dorf als Hilfe ein. Im Café sammeln sich die erstaunlichsten Menschen. Trinker, Straßenarbeiter, verhinderte Künstler, Ringer, Fabrikarbeiterinnen, Handwerker.

Während Robert Simon nach wie vor bei einer Kriegerwitwe möbliert zur Untermiete wohnt, zieht das gesamte menschliche Leben in seinem Café an ihm vorbei: Eheschließungen, Geburten, Kinder, Dramen des Liebeslebens, Demenz. Der Höhepunkt ist ein rauschendes Fest zehn Jahre nach der Eröffnung, welches bis in den Morgen gefeiert wird. Genau dann stürzt die Wiener Reichsbrücke ein. „Robert Simon verrichtete seine Arbeit, so wie er es immer getan hatte, und wenn ihn jemand nach seiner Meinung zu der Sache fragte, zuckte er nur mit den Schultern.“ (S. 267) steht sinnbildlich für Simons Genügsamkeit.

Es zeugt von höchster Kunst, wie Seethaler in knappen Sätzen und scheinbar schmucklos beschreibt. Bspw. den sozialen Abstieg des Boxers René, dessen Herumirren im nächtlichen Wien, nachdem er zu Hause rausgeflogen ist. Ein poetischer Hochgenuss der besten Sorte!


Bibliographie
Tipp
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Das Café ohne Namen
Robert Seethaler
Das Café ohne Namen
Roman
EAN: 978-3-548-06927-2
Robert Seethalers neuer Nr. 1 Bestseller-Roman: Einfühlsam, fein geschrieben und kurzweilig! '283 Seiten reines Leseglück.' Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 'Robert Seethaler ist ein großer Augenblickschriftsteller.' RBB Kultur Ein Café und seine Menschen. Ein Mann, der seiner Sehnsucht folgt. Wien, 1966. Robert Simon schlägt sich als Gelegenheitsarbeiter auf dem Karmelitermarkt durch. Mit seinem bescheidenen Leben ist er zufrieden, doch zwanzig Jahre nach Kriegsende hat sich die Stadt aus ihren Ruinen erhoben. Überall sprießt Neues, und auch Simon wird von diesem Aufbruch erfasst. Er wagt den Schritt in die Selbstständigkeit, pachtet eine kleine Gastwirtschaft und eröffnet sein eigenes Café. Das Angebot ist schlicht, und streng genommen ist es weniger ein Café als ein Treffpunkt für die Menschen aus dem Viertel. Sie kommen, bringen ihre Geschichten mit - Geschichten von Sehnsucht, Verlust und unerwartetem Glück. Manche suchen Gesellschaft, andere hoffen auf die Liebe. Während die Stadt um sie herum erwacht, verändert sich auch Simons Leben. Das Café ohne Namen ist ein Roman über den menschlichen Drang zum Aufbruch. Mit einem Reigen unvergesslicher Figuren und seiner besonderen Aufmerksamkeit für die Details des Lebens erzählt Robert Seethaler davon, wie eine neue Welt entsteht, die wie alles Neue ihr Ende schon in sich trägt. 'Robert Seethaler erzählt so berührend, dass man sich sehnlichst wünscht, selbst einmal in diesem 'Café ohne Namen' gesessen zu haben.' Brigitte *** Fans von 'Der Trafikant' und 'Ein ganzes Leben' werden auch diesen Roman von Seethaler lieben! ***

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