Lea De Gregorio: Unter Verrückten sagt man Du

Nach vielen schlaflosen Nächten voller Herzrasen und endloser Gedankenströme wird Lea De Gregorio eines Tages in die Psychiatrie eingewiesen. Sie bezeichnet das, was ihr widerfahren ist, als „Verrückung". Den Begriff des „Verrücktseins“ nutzt sie ganz bewusst, um ihn neu zu beanspruchen – für Menschen, die die Erfahrung einer Manie oder Psychose gemacht haben. Sie problematisiert den Begriff und vor allem den Umgang damit. In „Unter Verrückten sagt man du" geht es um ihre eigene Psychiatrie-Erfahrung und die vieler anderer Menschen. Das Buch ist eine Psychiatrie-, aber auch eine Gesellschaftskritik. De Gregorio schildert sehr eindrücklich die Entmündigung und Bevormundung von psychisch versehrten Menschen durch das System, sie hinterfragt Prozesse und gängige Methoden psychiatrischer Einrichtungen und Behandlungen und kritisiert vor allem die Stigmatisierung und Diskriminierung kranker Menschen durch die Gesellschaft. Sie bezieht sich dabei auf die Philosophie, Anthropologie, auf unsere Sprache und vor allem auch auf die Historie, denn der Nationalsozialismus hallt bis heute im Umgang mit psychisch Kranken mit. Ein lesenswertes Buch, das seinesgleichen auf dem Buchmarkt sucht, denn zu Erfahrungen mit psychiatrischen Einrichtungen und ihre Einordnung in einen größeren Kontext ist bislang wenig publiziert worden.


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