Adam Soboczynski: Traumland.

„Die Chroniken für den September 1981 berichten von einer stümperhaft ausgeführten Flugzeugentführung in Jugoslawien, die alle Beteiligten überlebten. Es starben in diesem Monat der Naziarchitekt und Rüstungsminister Albert Speer sowie der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan. Simon & Garfunkel fanden wieder zueinander und sangen im Central Park vor einer halben Million Zuschauern. China gelang es im September 1981, drei Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schicken, was die Amerikaner überhaupt nicht mochten. Der amerikanische Präsident hieß Ronald Reagan, der Generalsekretär der KPdSU war Leonid Breschnew. Unglücklicherweise hatte Lady Di Prinz Charles geheiratet. Sie galten damals als das Traumpaar der Welt.“, so beginnt der neue Roman des heutigen Literaturchefs im ZEIT-Feuilleton. Und in eben jenem Jahr 1981 reisten die Eltern des damals sechsjährigen Adam und seines kleinen Bruders in die Bundesrepublik aus. Die Eltern, damals noch junge Erwachsene, waren von so einem Fortschrittsglauben einerseits und von der für alle gleichen Armut in ihrem Heimatland Polen andererseits getrieben, dass ohnehin klar war, nur in Deutschland sei ein neues Leben zu verwirklichen. Für ihre Assimilation taten sie alles.

Adam Soboczynski entdeckt während seines Literaturstudiums in einem einzigen Satz aus „Nathan der Weise“ seinen eigenen Lebensweg: vom Aufbruch in Polen, dem sozialen Aufstieg durch Arbeit und Bildung, dem Entrinnen des Zufalls durch Geburt: „Ein Mann wie du, bleibt da nicht stehen, wo der Zufall der Geburt ihn hingeworfen: oder wenn er bleibt, bleibt er aus Einsicht, Gründen, Wahl des Bessern.“ (S. 74f)

Die persönliche Geschichte gepaart mit einer Gesellschaftsanalyse. Der „Zeit der Freiheit“ (1989-2022, Mauerfall-Überfall auf die Ukraine) setzt er die Zeit der zunehmenden Radikalisierung entgegen. Wunderbar!


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