„Das Boot schaukelt unter meinen Füßen. Kilian mag es, er sagt, es wiegt ihn in den Schlaf. Als ob er das bräuchte. Seit er mir von den Incentives erzählt hat, schläft er ein, bevor sein Kopf das Kissen berührt, als wäre sein Gewissen rein wie frisch gefallener Schnee. Und ich liege nebenan in der Prämenopause und versuche, einen Ausweg aus meinem Leben zu finden, einer Sackgasse, die so eng ist, dass man nicht wenden kann. Und an alldem ist Kilian schuld. Wobei die anderen beiden Ehemänner auch nicht wirklich besser sind. Wie verschiedene Ausprägungen derselben Krankheit. Ein leichter Verlauf, ein schwerer und ein tödlicher. Bei Kilian und Ferdinand bin ich noch unschlüssig, aber ich bin sicher, Walter ist der tödliche. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man mit jemandem wie ihm zusammenleben kann. Alles an Walter ist hart und distanziert, ein Mann, der lächelt, dessen Gesicht aber nie in die Emotion mit einsteigt. Wie ein Soloauftritt seiner Mundwinkel. Walter ist besitzergreifend und skrupellos. Sein Haus, sein Auto, sein Boot, auf dem wir sitzen und nach seiner Pfeife tanzen. Weil er hat, wovon wir nicht genug kriegen: Reichtum, Einfluss und Macht. Wir sind schon ziemlich armselige Kreaturen.“ (S. 93)
Bitterböse und subtil: Franziska und Kilian Dannenberg sowie Nora und Ferdinand Mattern sind zusammen mit dem Chef der beiden Männer, Walter, auf dessen Yacht „Predator“ auf den Philippinen unterwegs. Ein luxuriöses Event jagt das nächste, dabei geht es vor allem um das Wahren der eigenen Fassade bzw. das Ausstechen des jeweils anderen Ehepaars. Denn einer der beiden Männer soll Partner werden. Ein quasi um die Frauen erweitertes tagelanges Assessment-Center, als Traumurlaub verkleidet, findet statt. Berichtet wird abwechselnd aus der Perspektive der Frauen. Auch Walters Frau Rachel hat ihre Sicht. Abgründig, fies, genial.
„Mein Mann berührt mich an der Hand, ich wende mich ihm zu, dann flüstert er lächelnd: »Du siehst phantastisch aus.« Er sagt es gerade so laut, dass man ihn hören kann, gerade so laut, dass sein Kompliment keines ist. Er hätte es vorhin schon sagen können, in unserer Kabine oder auf dem Weg hierher, aber da hätte es niemand mitbekommen.
Ferdinand verschwendet keine Worte, er platziert sie.“ (S. 34)
„Wie es scheint, haben die Spiele begonnen. Walter hat es vorausgesagt: ‚Du wirst sehen, nach spätestens drei Tagen startet der Konkurrenzkampf.‘ Und so ist es. Bisher gab es hier und da mal ein kleines Aufbäumen, jetzt stehen wir im Ring. Ich weiß, dass das Walters Plan war, dass er wollte, dass es exakt so kommt. Unwissen schürt Unsicherheit, dazu räumliche Enge: ein Kammerspiel, verkleidet als Traumurlaub.“ (S. 76)