Brigitte Giraud: Schnell leben.

Mit ihrem Mann Claude wollte die Ich-Erzählerin in das Haus am Stadtrand in einem Landschaftsschutzgebiet einziehen, ihren gemeinsamen Traum von Ruhe und Familie leben.

Doch es kam anders.

„Wir könnten unsere Koffer für ein ganzes Leben abstellen und alle möglichen Pläne ins Blaue hinein entwerfen. Ich bin dann schließlich alleine mit unserem Sohn eingezogen, mitten in einer ziemlich brutalen chronologischen Abfolge der Ereignisse. Unterzeichnung des Kaufvertrags. Unfall. Umzug. Begräbnis.

Die wahnsinnigste Beschleunigung, die mein Leben je mitgemacht hat. Wie eine Achterbahnfahrt mit wehendem Haar, und dann entgleist das Wägelchen bei vollem Tempo.

Ich schreibe an diesem weitentfernten Ort, an dem ich gelandet bin, und von dem aus ich die Welt wahrnehme wie einen etwas körnigen Film, der lange Zeit ohne mich gedreht worden ist.

Das Haus war zum Zeugen meines Lebens ohne Claude geworden.“ (S. 5)

Zwanzig Jahre später verkauft die Ich-Erzählerin das Haus und zieht Bilanz. Die Bilanz eines Lebens, welches das Leben mit einem großen Verlust ist. Ein Haus, welches ihres und Claudes Haus hätte sein sollen. Das wäre es auch gewesen, _wenn_ nicht dies oder das passiert wäre. Es gibt 17 „wenns“ - angefangen mit „Wenn ich die Wohnung nicht hätte verkaufen wollen“ bis hin zu „Wenn Claude nicht seine 300 Francs im Geldautomaten vergessen hätte. Wenn Denis R. nicht beschlossen hätte, seinem Vater den 2CV zurückzubringen. Wenn die Tage vor dem Unfall sich nicht zu einer Abfolge von Ereignissen zusammengeballt hätten, eins unerwarteter als das andere, und alle unerklärlich.“ (S. 10f)

Alle „wenns“ werden in einzelnen Kapiteln auseinandergenommen und so die Zeit und das gemeinsame Leben vor dem Unfall rekonstruiert - genauso wie der übergroße Verlust, der in der Summe „nur“ von zahlreichen Zufällen abhing.

Ein lebenspraller Text voller Überraschungen, sehr tröstlich und mit eigenem Soundtrack zwischen den Zeilen. Denn Claude war Musikjournalist.


Bibliographie
Kategorie