Ewald Arenz: Zwei Leben.
Nach drei Jahren Schneiderlehre in der Stadt kehrt Roberta in ihr Heimatdorf und auf den Hof ihrer Eltern zurück. Sie packt mit an, sie war gefühlt gar nicht weg, Alles ist wie vor drei Jahren und doch hat sich etwas verändert. Wilhelm, ihr Freund aus Kindertagen, wird nach und nach mehr als nur ein Freund. Für Roberta ist er noch ein weiterer Grund, das Dorf nie zu verlassen. So gerne sie nach Paris und New York möchte, hinaus in die Welt und ihre eigenen Entwürfe schneidern möchte, geht es doch nicht. Wer soll schließlich den Hof übernehmen, wenn nicht sie, das einzige Kind ihrer Eltern?
Auch für die Pfarrersfrau Gertrud gibt es im Dorf nur wenig Gründe zu bleiben. Eigentlich sogar nur einen: Wilhelm, ihr Sohn. Ihr Mann war ursprünglich der Grund, weshalb sie nach Salach zog, doch das ist längst vorbei. Nachdem sie die Gelegenheit erhält, zwei volle Monate mit ihrem Bruder durch Europa zu reisen, bringt nur der Gedanke an Wilhelm sie zurück.
So unterschiedlich die zwei Frauen sind, so gleich sind sie doch. Beider wollen hinaus, doch können sie nicht. Zumindest glauben sie das. Doch geschehen manchmal Dinge im Leben, die niemand hat kommen sehen, und plötzlich ändern sich die Dinge. Beide fällen eine Entscheidung, die nicht nur für sie selbst weitreichende Folgen hat.
Ewald Arenz begeistert einmal mehr mit seinem Nature Writing. Als Leser*in sieht man den Staub auf den frisch abgeernteten Weizenfeldern, man riecht den Fichtenwald am Ende der Straße und hört das Röhren der Landwirtschaftsfahrzeuge. In dieses Setting legt Arenz eine Geschichte – ganz ruhig, fast meditativ – und doch entfaltet sich nach und nach ein Sog, der eine*n das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.