Katja Oskamp: Die vorletzte Frau.
„Die Erinnerung ist eine zärtliche Schlampe. Sie trickst herum und entzieht sich, überfällt hinterrücks und liebkost so plötzlich, dass ich ihr kein Wort mehr glaube. Ich habe Angst, ungerecht zu sein, selbstgerecht. Ich habe Angst, dass Tosch rufen könnte: Halt die Klappe! Es ist vorbei, aber wie es war, war es gut!“ (S. 149)
Sie lernt Tosch kennen, als sie Anfang der 30 ist, und er 50. 19 Jahre Altersunterschied trennen sie, dennoch sind sie offenbar füreinander bestimmt. Sie ist angehende Schriftstellerin und in einer schwierigen Beziehung mit dem Vater ihrer kleinen Tochter, er ist Autor, ihr Dozent und verheiratet. Sie muten einander zu, wachsen aneinander, gehen dennoch in unterschiedlichen Wohnungen ihrer Wege.
Der Episoden-Roman erzählt vom gemeinsamen Weg, dem Aufeinander-Zugehen, den Grenzen der Beziehung. Dem gemeinsamen Altern, von Krankheit und Geworfenheit. „Paula steckte in der Entwurfsphase. Tosch steckte in der Geworfenheit. Ich ging irgendwo dazwischen: Weil die Zeit der Entwürfe vorbei war. Weil Toschs Geworfenheit auch mich zur geworfenen machte, stärker als meine Altersgenossinnen.“ (S. 126)
Spätestens mit Paulas Auszug stellt die Mutter fest, wie alt sie geworden ist, hadert mit diesem Zustand. Mit einer Ausbildung als Fußpflegerin gibt es neue finanzielle und auch schriftstellerische Perspektiven für die Erzählerin. Aus den Geschichten ihrer Kundinnen macht sie eine Zeitungskolumne.