Wolf Haas: Eigentum.
Wolf Haas zeichnet die letzten drei Tage seiner Mutter auf, vollgesogen von dem vielfältigen Leben, welches die Mutter - Jahrgang 1923, neun Geschwister, vom Land, sehr wenig Geld, mit zehn Jahren zu einem Bergbauern gegeben, im Krieg Luftnachrichtenhelferin usw. - hatte. Einerseits sind es die Erinnerungen des Sohnes an die zahlreichen Erzählungen seiner Mutter, andererseits die Gespräche während der Besuche bei ihr in diesen letzten Tagen. Gleichzeitig muss Wolf Haas noch eine Poetikvorlesung vorbereiten, von der er bis dahin nur den Titel fertig hat: „Kann man vom Leben schreiben?“
Endlich liegt die Mutter in dem einzigen Eigentum, welches sie je besessen hat: ihrem Grab. Während ihrem Sohn Wolf das gleiche mit seinem neuen Buch geschieht: „Wie auf einem Grab steht dein Name auf dem Buch. Darum ging es beim Schreiben. Dass man es zusammengeschrieben hat. Das ganze Leben nur schreiben schreiben schreiben. Nichts wie tippen tippen tippen die ganze Zeit. Aber dann steht dein Name drauf. Dann kann dich keiner mehr verjagen.“ (S. 50)
Skurril wie immer, intim wie selten bei Wolf Haas.