BUCHPREMIERE Bov Bjerg: Der Vorweiner. Moderation: Miriam Zeh.
Der neue große Roman des Bestsellerautors von „Auerhaus“ und „Serpentinen“
Resteuropa, Ende des Jahrhunderts. Bürgerkriege und Naturkatastrophen haben die Welt verwüstet. Eine dicke Schicht Beton hebt den Rumpfkontinent über den steigenden Meeresspiegel. In den Auffanglagern Neuschwanstein und Neulübeck versammeln sich dänische, ghanaische oder niederländische Geflüchtete. Einer von ihnen ist Jan.
Mit nichts am Leib tritt er in die Dienste von A. wie Anna. Für sie war es höchste Zeit, sich einen Trauergastarbeiter zuzulegen.
Tränen bringen Prestige, und nur wer über einen fähigen Vorweiner verfügt, um den wird am Ende überzeugend geweint. Zu echter Trauer ist ohnehin niemand mehr in der Lage. Auch nicht B. wie Berta, Annas Tochter. Berta ist die Erzählerin und das lidlose Auge unserer Geschichte. Und wie sie erzählt: furios, komisch und ohne Mitleid.
Bov Bjergs neuer Roman ist ein kühner Wurf: barock wie ein Menuett, gegenwärtig wie ein Liveticker, fernsichtig wie eine Vorhersage. Und mit absolutem Gehör für Sprache und ihre Möglichkeiten komponiert. Der Vorweiner ist ein preiswürdiges Erzählkunstwerk über eine Welt, die in Staunen versetzt.
Bov Bjerg ist Schriftsteller und Vorleser. Sein erster Roman hieß "Deadline", sein zweiter, "Auerhaus", wurde verfilmt und von vielen Theatern inszeniert. Eine Geschichtensammlung erschien unter dem Titel "Die Modernisierung meiner Mutter".
Mit "Serpentinen" war Bov Bjerg auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2020.
Miriam Zeh ist Literaturkritikerin in der „Lesart“-Redaktion von Deutschlandfunk Kultur. Zuvor arbeitete Zeh als Literaturwissenschaftlerin an den Universitäten in Mainz und Frankfurt a. M. sowie als Literaturkritikerin und Moderatorin, unter anderem für Deutschlandfunk und WDR.
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