LESUNG & GESPRÄCH: Lea De Gregorio: Unter Verrückten sagt man Du. Moderation: Elisabeth Ruge.
An einer Umbruchstelle im Leben wird Lea De Gregorio verrückt. Zu viele Gedanken drehen frei in ihrem Kopf, zu viele Fragen rasen ihr durchs Herz, der Schlaf bleibt aus. Und es folgt, was hierzulande nun mal vorgesehen ist: die Behandlung in der Psychiatrie. Doch geht der Heilung die Entmündigung voraus. Hier bestimmen, entscheiden, sprechen andere für sie. Muss sie sich dieser althergebrachten Ordnung tatsächlich fügen, damit alles besser wird? Oder sie erst recht in Frage stellen? Eine Suche nach grundlegenden Antworten beginnt, sie führt sie an tabuisierte Orte der Geschichte, in unsere Sprache, die Philosophie und schließlich in den Kampf. Gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Verrückten, einer viel zu lange übersehenen Minderheit.
»Ich bin der Überzeugung, dass sich auch die Gefühle und Gedanken, die als krank gewertet werden, nicht einfach aus dem Nichts einschleichen, sondern immer mit Ereignissen, einer Einstellung, einem Bedürfnis, einem Missstand, kurzum: einer Bedeutung zusammenhängen.«
»Sind wir Verrückten in unserer Gesellschaft bis heute eine unterdrückte Minderheit?«
Lea De Gregorio entlarvt die tradierten Ungerechtigkeiten in unserem Denken, Fühlen, Handeln. Unter Verrückten sagt man du leistet dringend notwendige Psychiatrie- und Gesellschaftskritik. In einer Sprache, die so klar und so klug und so zärtlich ist, dass sie den Blick auf unser Zusammenleben substanziell zu verändern vermag.
Lea De Gregorio wurde 1992 in Hessen geboren. Sie studierte Vergleichende Kultur- und Religionswissenschaft und schloss einen Master in Europäischer Ethnologie und einen zweiten in Philosophie ab. Sie volontierte beim Amnesty Journal, wo sie später als Redakteurin für Gesellschaftsthemen zuständig war. Bereits während des Studiums begann De Gregorio für überregionale deutsche Zeitungen zu schreiben. Heute arbeitet sie als freie Journalistin u. a. für DIE ZEIT, Deutschlandfunk Kultur und die taz. Sie lebt in Berlin.
Elisabeth Ruge, geboren 1960, ist Lektorin, Verlegerin und Literaturagentin. Sie studierte Anglistik, Amerikanistik und Slawistik in Frankfurt a.M., Moskau und in den USA. Nach ihrer Tätigkeit als Lektorin beim S. Fischer Verlag, gründete sie 1994 zusammen mit Arnulf Conradi und Veit Heinichen den Berlin Verlag. Verlegerisch betreute sie u.a. Ingo Schulze, Swetlana Alexijewitsch, Péter Nádas, Zeruya Shalev und Jonathan Littell. Ab 2011 baute sie die Berliner Dependance des Carl Hanser Verlages auf, die sie anschließend drei Jahre leitete. Heute betreibt sie ihre eigene Literaturagentur, die 2014 gegründete Elisabeth Ruge Agentur (ERA). Sie ist zudem als Übersetzerin und Autorin tätig.
Georg Büchner Buchladen, Wörther Straße 16, 10405 Berlin
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