Lydia Daher: Wo wir bleiben
„Langsam und glanzlos verschwand ich
im uralten Rücken der Sonne“
Ein Gedichtband, der uns in einen ganz eigenen Kosmos mitnimmt, in ein Dorf, eine brandenburgische Landschaft hinein. Da liegt der Geschmack von Wildkirschen in der Luft, da gibt es einen See, "die leuchtenden Bäuche der Barben" darin, da stehen Kiefern dicht an dicht unter dem Himmel.
Wir folgen einem Gedichtzyklus, der in drei Teile unterteilt ist: "und ab jetzt bei Farnen sein", "mit der Kälte zugehen" und "hineinfinden, weiter", begleitet von nebulösen Fotos, Abbildungen aus der Natur.
Ein Foto aus " Wo wir bleiben", von Lydia Daher
„Szymborskas Wolken -
keine in Sicht.
Bloß ein paar Vögel,
bewegt durch
die Einwände des Lichts“
heißt es. Oder:
„Wer bin ich,
auf die windschiefe Wildkirsche schwörend,
die morsch, doch zart
helles Grün austreibt?“
Wir folgen diesem Ich, auf der Suche nach einer Landschaft zum Bleiben. Poetisch und eigenwillig, mit einer ganz eigenen Stimme wird hier gesprochen. Da gibt es Verse und Wörter, die lange nachhallen, einen ganz zarten, sinnlichen Klangraum erzeugen. Eine Stimmung, die zum Bleiben einlädt, um es in den Worten von Lydia Daher zu sagen.
„Ein Sonnenauge
Ein Mondauge
Wolkenflügel im Sturz“ heißt es.
Oder:
„Stechmücken, Stechschwüle, Kübelschwanken“
„Wenn es dir schlecht geht,
geht es immer auch der Sonne schlecht,
dem Flieder und den Brombeerhecken,
dem Rotmilan, den Regenmänteln
und dem Gras.“
Eine ganz eigene Welt erschafft die Lyrikerin und Musikerin Lydia Daher, die immer wieder auch an die Sprache und an die Bildwelten der Sarah Kirsch erinnern.
Mit " kartoffelförmigen Monden im Himmel", "Königsröhrlingen" und " Rotmilanen" sich wegträumen. Und dann, von der brandenburgischen Landschaft schließlich sich entfernen, immer weiter in die Stadt:
" Die Stadt klebt uns am Körper
Wir beten.
Mach, dass alles gut wird
durch den Regen,
durch die Graupel,
durch den Hagel,
einen Downburst,
unseretwegen.
Dass wir uns nicht ergeben."
" Wor wir bleiben" ist ein Gedichtband zum Wegträumen, genau passend für den bisher so regenerischen Sommer. Dabei kommt man unweigerlich nicht umhin, der Frage nachzugehen, wie und wo man selbst gerne leben will...