Jens Andersen: Tove Ditlevsen. Ihr Leben.
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„Zu schreiben heißt, sich selbst auszuliefern. Sonst ist es keine Kunst. Man kann es kaschieren, aber man schreibt immer über sich selbst“, sagte die dänische Schriftstellerin Tove Ditlevsen einmal übers Schreiben. Bekannt und wiederentdeckt wurde sie durch ihre sogenannte Kopenhagen-Trilogie: „Kindheit“, „Jugend“ und „Abhängigkeit“. Auch einzelne, diesem Kosmos zugeordnete Bücher, wurden nun wieder neu aufgelegt, „Gesichter“ und „Glück“. Kennzeichnend für den Schreibstil der Schriftstellerin ist die dichte Verwebung von Fiktion und Autobiografie, Stoff und Leben. So ist vor allem Kindheit ein immer wiederkehrendes Thema in ihren Büchern, das sie zu Lebzeiten nie ganz abstreifen konnte. „Das verlorene Land“, so bezeichnet Ditlevsen ihre Kindheit in einem frühen Gedicht. „Man erlebt als Kind alles zum ersten Mal, hat Tove Ditlevsen einmal gesagt, danach ist alles andere nur Wiederholung“, so Jens Andersen in seiner Biografie über Tove Ditlevsen. Hier lernen wir eine willensstarke und eigensinnige junge Frau kennen, die sich stets gegen alle Konventionen ihrer Zeit aufgelehnt hat (wir befinden uns im Dänemark der 60er und 70er Jahre) und dabei trotz allem immer versucht hat, sich selbst treu zu bleiben. Wir lernen diesen komplizierten und vielschichtigen Menschen hinter der Kopenhagen-Trilogie kennen, bekommen einen Einblick in die Ängste und das Gefühlsleben einer extravaganten Frau, die immer für ihr Selbstbewusstsein als Künstlerin gekämpft hat. Durchstreifen in der Biografie all jene Orte und Menschen, die teilweise zum Ventil ihres Schreibens wurden und sie auf diesem Weg maßgeblich geprägt haben. Da sind das dänische Arbeiterviertel „Vesterbro, geprägt von Suff, Prostitution und Übergriffen, in einer Umgebung, wo hässliche Mietskasernen mit billigen, heruntergekommenen Wohnungen“ standen und das Kind umgaben, das ständige Gefühl anders zu sein als die anderen und sich verstecken zu müssen. „Es macht nichts, wenn man etwas wunderlich ist, Hauptsache es dringt nichts nach draußen!“, so die Mutter, die so anders ist als Tove Ditlevsen und deren Charakter sie ein Leben lang zu ergründen versucht. Da ist die Begeisterung für Literatur, die sie trotz allem mit dem verschlossenen Vater teilt. Und doch zieht sich eine gewisse Fremdheit durch ihr ganzes Leben, das Gefühl, nicht am richtigen Platz zu sein. Immer auf der Suche zu sein, auch oder vor allem im Hinblick auf ihr Liebesleben und ihre Verbindung zu Männern, mit denen es immer wieder scheitert, die ihrem Schreiben, ihrer einzigen wahren Liebe, letztlich immer untergeordnet waren, immer wieder in die Brüche gehende Ehen, ein Schmerz, aus dem sie schöpft und den sie letztlich dann auch jedes Mal literarisch verarbeitet. „In der Idylle sehe ich für mich keinen Stoff“. Ein ewiger Kreislauf, so gesehen. Aufenthalte in Krankenhäusern und Medikamentenabhängigkeit sind Themen, die sich später durch ihre Bücher ziehen werden. Und eine Frage, die sich ihr beim Leben immer wieder stellt: „Wie bewahrt man seine Freiheit in einer emotional verpflichtenden Beziehung zwischen zwei Menschen?“ Die Biografie von Jens Andersen wurde aus dem Dänischen übersetzt von Ulrich Sonnenberg. |