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17.04.2026
Deutsch
240 S.
1.8 x 19.1 x 12.5 cm
Rowohlt Verlag GmbH
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Kirchenallee 19
DE 20099 Hamburg
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Unser Tipp für Sie
„Es ist schwer, die Erinnerungen in der chronologischen Ordnung zu halten. Geschichten erzählen die Ereignisse nacheinander. Ein Erlebnis folgt auf das nächste und scheint deswegen eine Folge zu sein, oder eine Konsequenz. Die Geschichte von Hanna ist aber keine lineare. Die Geschichte von Hanna ist eine Welt von Ereignissen, die wie Monde auf verschiedenen ovalen Umlaufbahnen wieder und wieder aneinander vorüberziehen. Hanna in der Mitte, um sie herum die schwirrenden Planeten: die Badeanstalt in Neiße, das vierblättrige Kleeblatt in Heidelberg, das Haus in Köln, die Flucht, die Zeit vor der Ehe, die Hochzeit in Syrakus, die Fahrradreise mit Klaus, Alsfeld, der Pranger, der Golf, die Ente. Die Ereignisse entfernen sich und kehren wieder, im Winter kann man sich den Sommer nicht vorstellen und umgekehrt.“ (S. 38)
Die geniale Schauspielerin Caroline Peters legt ihren ersten Roman vor: er dreht sich um Hannah, die Mutter der Ich-Erzählerin, und deren bewegtes Leben zwischen den Nachwirkungen der Flucht im 2. WK und den drei Ehen mit ihren drei engen Studienfreunden - aus denen jeweils eine Tochter hervorging. (Genauso wie bei Jane Birkin! Und alle vier Frauen wurden berühmt.) „Die Ehe mit Bow war Mamas dritte und letzte. Sie hatte ihre drei besten Freunde geheiratet, wer sollte da noch kommen? Ich bin aus Sicht der Schwestern privilegiert, denn ich habe einen einzigen Vater statt zwei oder drei. Und in der Konstellation, in der wir lebten, war mein Vater der Hausvorstand, wie sich Bow tatsächlich nannte. Klaus und Roberto waren seine engen Studienfreunde gewesen. Aber er zog nun alle Töchter groß, hatte ein Haus gebaut für die Mädchen und Hanna, was keiner der Freunde vor ihm geschafft hatte, war ihr Hafen und somit Chef, auch über die anderen Väter. Der ultimative Vater. Und ich sein einziges leibliches Kind. Darin bestand mein Privileg.
Ich fand meine Schwestern privilegiert. Laura mit ihren drei Vätern, die sie auf Händen trugen, um sich gegenseitig zu beweisen, wer der bessere Vater war. Sie bekam von allen Großeltern regelmäßig Geld zugesteckt und wurde mit Geschenken überschüttet.“ (S. 47)
Die Ich-Erzählerin also ist die jüngste Tochter, die mit den beiden älteren Schwestern und den verschiedenen Vätern aufwächst. Die Mutter führt ein aus erwachsener Sicht sehr selbständiges Leben zwischen Literatur und Übersetzungen, und will sich mit der ihr aufgezwungenen Bürgerlichkeit nicht abfinden. Nach Hannah ist nun auch der Vater der Ich-Erzählerin gestorben, und die Schwestern und die übrigen Väter stehen am Grab. Anlass, das Aufwachsen und verrückte Leben als eine von Hannahs Töchtern zu bilanzieren. Genial, genau, komisch, nachdenklich.