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Buchtipps - Romane

Jeder Satz passt, alles glänzt und überall lauern die Abgründe. William Boyds neuer Roman Trio, der gerade auf Deutsch im Kampa Verlag erschienen ist, porträtiert drei Menschen während eines Filmdrehs an der südenglischen Küste: Talbot Kydd produziert den eher mittelmäßigen Film, dessen Erfolg vor allem an den beiden Stars in den Hauptrollen hängt. Anny Viklund ist die junge und glamouröse Schauspielerin, die die Zuschauer_innen in die Säle und das Geld in die Kassen spülen soll.

Autor und Ich-Erzähler im neuen Roman von Eshkol Nevo teilen sich einige (nicht unwesentliche) biografische Details: Wohnort, Beruf und Namen. Rückblickend stellt sich der Erzähler den Umständen, die ihn ins Jetzt führten. Das Jetzt ist für ihn der Beginn einer ausgewachsenen Midlifecrisis: die Ehe steht kurz vor dem Bruch, die eigene Tochter ist ihm fremd geworden, und beruflich – wir ahnen es  bereits – steckt er in einer Schreibblockade. Besonders ist hier, dass uns das Geschilderte eben nicht in Form eines klassischen Romans begegnet, denn der Erzähler beantwortet schreibend die Fragen eines fiktiven Interviewers. „Haben Sie schon immer gewusst, dass Sie Schriftsteller werden wollten? Wie autobiografisch sind Ihre Bücher? Verwischt sich manchmal die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge bei Ihnen?“  Das Ausloten der Grenze zwischen Realität und Fiktion anhand der Figur des Ich-Erzählers beherrscht Eshkol Nevo perfekt.  Der Erzählfluss leidet unter dem Frage-Antwort Spiel keinesfalls; dem Autor gelingt es, die verschiedenen Episoden und Erinnerungen zu einer gelungenen Erzählung zu vereinen.

Im Vertrauen verraten sich Pietro und Teresa ihre dunkelsten Geheimnisse, die sonst niemand über sie weiß. Diese, wie eine Mutprobe vollzogene Tat nach einem heftigen Streit, ist der verzweifelte Versuch ihre sehr leidenschaftliche, aber zerstörerische Beziehung zu retten und sie so fürs ganze Leben aneinander zu binden. Der Plan geht nicht auf. Nur wenige Tage später trennen sie sich.

Der neue Roman der französischen Bestseller-Autorin beginnt mit einer Flucht, akribisch vorbereitet und geplant von der Protagonistin Gloria. Sie packt das Auto, holt ihre beiden Töchter, die 15-Jährige Stella und die 5-Jährige Loulou, frühzeitig von der Schule ab und ohne es jemandem zu sagen, fährt sie mit ihnen von der Côte d‘Azur in ein kleines Dorf im Elsaß, angeblich um dort ein bisschen Urlaub zu machen.

Als Vivian Maier 2009 stirbt ist sie vereinsamt und weitgehend unbekannt. Sie hinterlässt einen Berg Mietschulden, an die 200.000 Fotos von Momentaufnahmen aus den Straßen New Yorks & Chicago und haufenweise Zeitungsartikel, sorgfältig zu Stapeln geordnet. Wenig später avanciert sie posthum zur genialen Straßenfotografin – ihre Fotos gelangen nach einer Zwangsversteigerung an die Öffentlichkeit.

„Als Kind wollte ich noch nicht Kriegsreporterin werden, sondern Zauberin. Hab jeden Tag im Briefkasten nachgeschaut, ob mein Brief aus Hogwarts schon da ist, und auch, wenn mir eigentlich klar war, dass es das nicht wirklich gibt, hat ein Teil von mir doch daran geglaubt. Ich hatte einen ziemlich genauen Plan, was ich zaubere, sobald ich es kann: 1. Meine Mutter und meinen Vater wieder ineinander verliebt zaubern. 2. Meinen Bruder wieder lebendig zaubern. 3. Mein Zimmer größer zaubern. Es ist natürlich kein Brief gekommen.

Der Ich-Erzähler kommt mit seiner Freundin und der kleinen Tochter nach einigen Jahren zurück an den Ort seiner Kindheit mitten im Elbsandsteingebirge mit seiner bizarren Schönheit. Hier begegnet er seinem besten Kindheitsfreund Vito wieder, mit dem ihn Abenteuer, Schuleschwänzen, und unzählige gemeinsame Stunden verbinden.

Was für eine Lust am Erzählen! Der neue Roman von Colum McCann ist ein nicht enden-wollendes Feuerwerk an Geschichten, Assoziationen und Perspektiven. Das entspricht durchaus dem Titel, denn ein Apeirogon ist eine geometrische Figur mit einer zählbar unendlichen Anzahl an Seiten.

Elsa und Adam Rosen ziehen 1909 in das Haus, welches der noch junge, unbekannte und unkonventionelle Architekt Max Taubert (Taut!) ihnen gebaut hat.  

Josef geht als junger Mann in den 1930er Jahren in die USA, um dort sein Glück zu versuchen und den beengenden Verhältnissen im Deutschland der Nationalsozialisten zu entkommen. Recht schnell findet er Arbeit in einer New Yorker Druckerei, wird dann allerdings dazu gebracht, seine Fähigkeiten als Funker zu mißbrauchen und der deutschen Abwehr zur Verfügung zu stellen, indem er für die deutsche Regierung der Nationalsozialisten Spionageberichte sendet. Alle Versuche sich zu befreien scheinen zwecklos.