0

Buchtipps - Romane

Ein Mann, Doktor der Statistik an einer Berliner Universität, fährt mit seinem jungen Sohn in seine Heimat in der Schwäbischen Alb, um eine grausame Gesetzmäßigkeit zu durchbrechen: in seiner Familie begehen alle Männer am Anfang ihrer 40er Lebensjahre Selbstmord. So geschehen bei Vater, Großvater, Urgroßvater usw. Den Vater hat der jetzt Erwachsene selbst gefunden. „Urgroßvater, Großvater, Vater. Ertränkt, erschossen, erhängt. Pioniere zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Ich war noch am Leben. Der Junge war noch am Leben. So weit waren wir gekommen.“ (S. 264)

Im Mittelpunkt dieses feinen Romans steht eine spröde Bauernfamilie auf einem abgelegenen Hof in Südtirol irgendwo in der Nähe von Bregenz. „Die Bagage“ wird die Familie genannt, sie sind von wenigen wohlgelitten, sind die Randständigen, die Armen.

„Als ich mir in den letzten Wochen unseren Auszug vorgestellt hatte, hatte ich gedacht, dass mir irgendwie ‚zumute‘ sein würde. Feierlich meinetwegen. Ein Lebensabschnitt geht zu Ende, so was. War aber nicht so. Da war gar nichts. Mir war vielleicht einfach nicht mehr nach Fühlen zumute, Lebensabschnitt hin oder her. Genug gefühlt in letzter Zeit.“  

„Einen Moment lang schaue ich zu, wie er die Scherben der Teeschale vor sich auf dem Küchentisch hin und her in Konstellationen schiebt. Von außen wie ein grober, nur zögerlich rund geschliffener Stein, schillert sie von innen kieferngrün. Und auf den großen Scherben, die wie kleine Schiffe auf dem unlasierten Holz vor und zurück wippen, erkennt man auf ihrer grünlichen Innenseite ein feines Netz, wie Spinnweben. Das sind kleine Risse, entstanden durch den Gebrauch, von der ersten Tasse Tee an geht das los, hat Max mir einmal erklärt.

Drei Blicke von drei völlig unterschiedlichen Frauen auf GIL, einen Rechtsanwalt. Die drei Frauen verbindet etwas ganz und gar Unheimliches.  Über ein Internetportal für Geschiedene lernt Orna ihn kennen. Ihre Affäre wird zu keiner echten Beziehung, irgendwas irritierendes gibt es zwischen ihnen, eine Lüge? Orna meint ihm auf die Schliche gekommen zu sein und nutzt die Abwesenheit ihres Sohnes für einen Kurzurlaub mit Gil in Bukarest. Die Reise nimmt ein erstaunliches Ende. 

Nach „Patria“ endlich ein neues Buch des baskischen Autors. Die 1960er Jahre in San Sebastián. Ich-Erzähler ist ein kleiner Junge, der dem Autor seine Geschichte aufschreibt. Im Alter von neun Jahren wird er zur Familie seiner Tante gegeben, da seine Mutter das Geld für seine Ernährung nicht mehr aufbringen kann. Seine drei Brüder kommen in ein Heim. Bei der Tante nimmt er intensiv am Familienleben teil, das Zimmer teilt er mit seinem Cousin Julen, der sich dem Kampf um die baskische Unabhängigkeit verschrieben hat.

Eva Gruber, selbsternannte Massenmörderin, befindet sich in der psychiatrischen Abteilung eines Wiener Spitals. Sie will einen kompletten Kindergarten ausgelöscht haben. Ihr Psychiater, Doktor Korb, hegt berechtigterweise einige Zweifel an dieser Tat und stuft die junge Frau als geistesgestört ein.

Flug LH510 verschwindet vor Brasiliens Küste spurlos vom Radar. Nach dem Absturz ins Meer wird das Wrack nicht gefunden, alle Passagiere werden für tot erklärt. Doch es gibt zwei Überlebende, die sich an Sitz 9A des Flugzeugs festklammern und auf Hilfe im tropisch warmen Wasser hoffen. Er heißt Hannes, sie Marina. Hannes verschweigt ihr, daß er ein ehemaliger RAF-Terrorist ist, sie verschweigt, daß sie die Tochter eines Baulöwen ist, der in den 1970er Jahren durch Bau und Verkauf von Parkhäusern zu Wohlstand kam. Als beide Überlebende eine kleine Insel entdecken, scheint die Rettung nah...

In einer mennonitischen Gemeinde in Bolivien ist Schreckliches geschehen. Die meisten Frauen wurden nachts überfallen, betäubt, mißbraucht und vergewaltigt - auch Mädchen sind unter den Opfern. Die beschuldigten Männer kommen außerhalb der Gemeinde in ein staatliches Gefängnis. Die Frauen versammeln sich, alle Generationen: Großmütter, Mütter und Töchter sind vertreten. Sie wollen reden und entscheiden: Gehen wir und fangen irgendwo "in der Welt" ein neues Leben an? Oder bleiben wir und stellen uns den Männern und versuchen, mit ihnen weiter zu leben?

Mit ihrem Roman Ein wenig Leben wurde die US-amerikanische Journalistin und Autorin Yanagihara weltberühmt. In Deutschland stand das Buch monatelang auf den Bestsellerlisten.